Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 81 | 82 | 83 | 84 | 85 | 86 | 87 | 88 | 89 | 90 | (...) | 148 ] >>

Theater Basel, Kleine Bühne
Uraufführung

"Hush, no more"

Regie: Corinna von Rad
Fassung: Corinna von Rad und Julie Paucker
Bühne: Ralf Käselau
Dramaturgie: Julie Paucker
Musikalische Leitung: Rainer Süssmilch, Lutz Rademacher

Mit Carina Braunschmidt, Benjamin Kempf, Vincent Leittersdorf, Lutz Rademacher (Musik), Karsten Süssmilch (Musik), Rainer Süssmilch, Michael von der Heide, Thomas Wodianka


Auf schiefer Bühne

Ist die Liebe eine süsse Leidenschaft, warum tut sie weh? Ist sie eine bitt're, sag', warum bin ich so froh? Ich leide ja mit Freuden; was klage ich dann und bejamm're mein Los, wenn ich weiss, es ist umsonst? Doch so gut tut der Schmerz, und so sanft ist der Pfeil, er verwundet und streichelt mein Herz zugleich!

Würden wir uns heutzutage soviel Zeit nehmen, um so feierlich über unsere Verliebtheit zu sprechen? Ist soviel Zärtlichkeit SMS-kompatibel?

Mit diesen Worten besingt die Königin der Elfen Titania ihre Liebe zu einem – Esel. Ihr Ehemann Oberon hatte sie über Nacht mit einem Liebeskraut verzaubern lassen: Sie verliebt sich in das erste Wesen, das sie nach dem Aufwachen sieht. Es ist Zettel, ein in das Grautier verzauberter Hobby-Schauspieler. Shakespeares Esel-Gag aus dem "Sommernachtstraum" ist über 400 Jahre alt, Purcells Oper aus dem gleichen Stoff, The Fairy Queen, wurde 1692 uraufgeführt. Auch zu Barock-Zeiten lachten also die Leute gern über poetische Liebesempfindung.

Auch gelacht, aber öfters eher geschmunzelt wurde im vollbesetzten Auditorium der Kleinen Bühne. In der szenischen Collage "Hush, no more" aus dem Stoff von Shakespeare/Purcell mussten wir aber auf Eselsohren, Elfentanz und Waldkulisse verzichten. Auch bei den Liebesverstrickungen und Herzensirrungen blieb es bei Andeutungen.

Resultat: Naja, wir bringen es halt 2011 nicht mehr so auf die Reihe mit der Poesie, dem Glauben an die Liebe und den offenen Herzen. Der Sommernachtstraum ist hier eine Party. Alle sind zu müde und zu betrunken, um aufzuhören. Es muss unbedingt weitergetanzt und -getrunken werden. Oder es kitzelt ein blöder Witz für zu lange die Zwerchfelle und Tränendrüsen der Wankenden. Die einzige Frau unter sieben Männern ist noch nicht erobert. Aber wer das will oder noch kann oder wer was ist, das ist alles nicht so klar. Dann und wann treibt es jemand zum verschämten Bekenntnis vor den Mikrophonständer vorne am Bühnenrand.

Wie der personifizierte Knorz steht etwa Vincent Leittersdorf in Gala da und haucht an eine Agnes, mit der er es offenbar total vermasselt hat. Er beteuert, sucht nach Worten, kein Eselsohr würde ihm glauben, im Hintergrund lachen die andern. Oder dem Thomas Wodianka hat es die Integrationstherapeutin Regula, "Du sitzisch dört uffem Sofa zmitzt im Publikum", so angetan, dass sein Nervenkostüm schlottert, der Worte-Nachschub stottert und aber das Falsche über die weiche Lippe spickt. Danach muss er sich zur Rocky-Filmmusik "Final Countdown" tänzerisch heftig ausagieren. Er hüpft wie ein verrückter Troll über die ganze Bühne. Szenenapplaus.

Hundsgemein trötet das Dreimannorchester mit Posaune und Trompete jedes Mal irgendeinen grell lauten Mambo aufs schiefe Parkett (Bühne: Ralf Käselau), wenn vorne der Redefluss in der trockenen Kehle versiegt. Davon unbeeindruckt bleibt einzig Carina Braunschmidt. Als bayerische Gastgeberin einer Hochzeitsgesellschaft beweist sie trotz Schlagseite Standfestigkeit. Ihr derbkomisches Talent steht einer Anke Engelke in nichts nach.

Hin und wieder reisst eine Party-Polonaise die schwankenden Gestalten über die Fläche, wenn sie nicht gar hinfallen und sich wie Kinder die Bühne runterrollen oder runterrutschen lassen. Auf rasche, halbe Küsse oder verstohlene Streicheleinheiten folgen laute Streitworte. Oder aus dem Kleid der Fairy Queen fallen gelegentlich Perlen aus dem Kostüm, kullern die Bühne runter. Dann dröhnt wieder Mambo. Die Party zieht sich hin, scheinbar absichts- und ziellos. Manchmal gelingt das ganz wunderbar, Theater ohne Plan, manchmal wirds ein bisschen langweilig.

Ab Vorstellungsmitte erstmals Purcell: Der kaputte Party-Chor stimmt das Titelstück "Hush, no more" an, aber wir hören kein Barock-Stück, sondern eher einen Soft-Soul. Michael von der Heide macht es mit seinem Pop-Timbre möglich. Emotionalität mit Kopfstimme statt Feierlichkeit unter dem Götterhimmel. Obwohl weniger bekannt als etwa Mozart, ist es erstaunlich, wie viele Purcell-Melodien im Allgemein-Kanon (leider auch durch Werbung und TV-Trailer) vertreten sind. Eine Posaune und eine Liedstimme genügen für das Wiedererkennen. Die Party-Gesellschaft flechtet nun wie von ungefähr, in sehr reduzierten Andeutungen, Teile des Stückes in das Partygeschehen; Der Nichtkenner ahnt es – vielleicht.

Aber es gibt keine direkte Handlung in diesem Abend des höher gemeinten Nonsens, eher eine Partitur. Ob Polonaise, Lachsalve, Monologe oder Tänze, Mambo oder Purcell: Alle diese sind musikalische Themen im Gesamtklang der zweistündigen Vorstellung. Der Abend unterhält, er ist komisch und trocken zugleich. Natürlich hält er im Vergleich mit den Originalen in keiner Hinsicht stand, weder im Witz, noch in der Spannung, noch in der Poesie, noch in der dramaturgischen Wirkungswucht, noch in der kritischen Tiefensicht auf unsere Spezies etc. etc.. Er ist keine Bühnenvollkost, und für den Traum fehlt die Prägnanz.

Wenn diese Aufführungsweise auch bewusst der ehrlichen Aussage geschuldet war, dass wir in den letzten Jahrzehnten an unbefangener Lebensfreude massiv verloren haben, dann ist ja gut.

17. September 2011
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

© Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

RückSpiegel


Die OnlineReports-Nachricht des Todes von Hannes Bertschi wurde von der Basler Zeitung, für die der Verstorbene auch gearbeitet hat, aufgenommen.

Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die sda. und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Seit der Spieler-Revolte Anfang Dezember hat das Team von Marcel Koller aus sieben Spielen ein Unentschieden und sieben Siege geholt."

BZ Basel
vom 28. Februar 2019
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Die Revolte hat auch Rechenkünste beflügelt.

In einem Satz


• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.

Titus Hell ist als Nachfolger von David Pavlu zum neuen Präsidenten der Jungfreisinnigen Basel-Stadt (JFBS) gewählt worden.

Anna Ott gibt das Amt als Vizepräsidentin der Grünen Baselland aufgrund ihres Masterstudiums in Nordeuropa ab; eine Nachfolge steht noch nicht fest.

• Das von der Fondation Franz Weber massgeblich unterstützte Referendum gegen ein Ozeanium auf der Basler "Heuwaage" ist mit 4'649 Unterschriften zustande gekommen.

• Der Reinacher Gemeinderat hat beschlossen, ab Februar 2019 mit einem neuen TV-Sendeformat zu starten, das wöchentliche Fernsehsendungen mit Inhalten aus Gemeinde und Vereinen bietet.

• Der Basler "Basta"-Grossrat Daniel Spirgi tritt per 12. Februar 2019 nach nur zweieinhalb Jahren aus dem Kantonsparlament zurück, der Grüne Jérôme Thiriet rückt nach.

Henriette Götz wird am 1. Mai 2019 die Nachfolge von Danièle Gross als Kaufmännische Direktorin am Theater Basel antreten.

• Mit 12'673 Studierenden und Doktorierenden, die sich im Herbstsemester 2018 für ein Studium an der Universität Basel eingeschrieben haben, ist die Gesamtzahl der Studierenden im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.

• Der EuroAirport begrüsste am 4. Dezember seinen 8 Millionsten Passagier und erzielte damit die höchste Jahres-Frequenz seit Gründung im Jahr 1946.

Erik Rummer (48) ist seit 2002 bei den IWB, seit 2016 als Leiter Public Relations, übernimmt auf Jahresbeginn die Leitung des Bereichs Kommunikation & Marketing und folgt damit auf Lars Knuchel, der sich selbstständig macht.