Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

<< [ 1 | (...) | 71 | 72 | 73 | 74 | 75 | 76 | 77 | 78 | 79 | 80 | (...) | 206 ] >>

Die Parteien, die Medien und ihre Sprache

Die Bundesratswahl vom 14. Dezember ist von den Medien zum Polit-Krimi hochgepuscht worden, herausgekommen ist ein Gute-Nacht-Geschichtlein. Alles bleibt beim Alten. Es sei denn, dass die SVP in kurzen Hosen dastand. Dass sie es sich selbst zuzuschreiben hat, meinte selbst ein Parteimitglied, obwohl Selbstkritik sonst in der Partei eher fehlt. Sie sollte daher dringend Nachhilfeunterricht in Stilkunde nehmen, dann kann sie in Zukunft ihr Programm besser verkaufen. "C'est le ton qui fait la musique", sagen die Franzosen.

Angeblich wurde die Konkordanz missachtet. Wurde sie das? Das politische Kräfteverhältnis ist im Bundesrat angemessen abgebildet. Ohnehin haben die Parteien in der Politik an Ansehen eingebüsst. Trotzdem trägt die SVP zur politischen Schweiz soviel bei wie die SP – und diese wie jene. Nur Parteigänger sehen das nicht so und überschätzen die Bedeutung der Parteien.
 
Das Problem, mit dem wir konfrontiert sind, besteht darin, dass im Medienzeitalter alles zum Hype aufgeblasen wird und Ideen zur Phraseologie verkommen. Enorm strapaziert worden ist in der jüngsten Vergangenheit der Begriff "Konkordanz", obwohl keinerlei Anlass dazu bestand, wie das Ergebnis der Bundesratswahl im Nachhinein gezeigt hat. Vielleicht ist die Konkordanz überholt, vielleicht nicht. Wenn sie, wie es geschehen ist, aber missbraucht wird, um parteipolitische Vorteile herauszuschlagen, dann hat sie bestimmt ausgedient.

Was wir heute mehr denn je brauchen, sind Ideen, nicht Taktiken, und Menschen, die diese Ideen überlegt und überlegen vertreten, keine Parteigänger mit Feldweibelmentalität.

Elementar gehört die Pflege der Sprache zum guten Stil. Wenn wir nicht die richtigen Wörter und Begriffe verwenden, werden wir niemals verstehen, was gemeint ist, und mit der allgemeinen Stange im allgemeinen Wirrwarr herumfuhrwerken.

Genau das aber ist es, was gegenwärtig passiert, in der Politik und in den Medien – dass wir Wörter und Begriffe zu Schlagworten, Kampfaufrufen und Kommandoparolen umfunktionieren, mit denen wir in den Propagandafeldzug ziehen. Denn nichts anderes ist Politik in der Medien- und Spektakelgesellschaft.
 
Ein prächtiges Beispiel hat kürzlich die deutsche Bundeskanzlerin gegeben, als sie von der neuen Stabilitäts-Union sprach. Das ist eine sprachliche Nebelpetarde. Nachdem die Ereignisse längst ihre systemische Dynamik entwickelt haben, wird es solange keine Stabilität geben, als die Finanzmärkte das Geschehen diktieren. Übrigens ist auch der "Finanzmarkt" ein Verschleierungsbegriff. Gemeint ist zweierlei: der dominante Einfluss des Kapitals und die Tätigkeit der Trader mit ihren keiner gesellschaftlichen Kontrolle unterliegenden Spekulationszielen.

Viele Wörter drücken Wunschdenken aus, sind Rationalisierungen oder Ablenkungen und haben den Charakter einer schamanischen Beschwörung, um die bösen Geister zu vertreiben.
 
D
ass wir zum Beispiel über unsere Verhältnisse gelebt haben und sparen müssen, wie man oft hören kann, sind Redensarten, die sich mittlerweile verselbständigt haben und besinnungslos kolportiert werden. Wer hat über seine Verhältnisse gelebt? Wer muss sparen? Und warum?
 
Seit dem Neoliberalismus sind die Staatsschulden im gleichen Mass gestiegen wie der private Reichtum. Das heisst: ins Unermessliche. Jetzt muss in Italien ein grosser Teil der Bevölkerung den Preis für die jahrelange Misswirtschaft der Regierung Berlusconi tragen. Gespart wird seit Jahren: bei der Bildung, im Sozialwesen, um Steuern zu senken. Allmählich müsste das Potenzial ausgereizt sein, aber es sieht nicht danach aus.
 
Mir genügt es, die Anzeigen von Coop und Migros zu lesen, wenn sie Aktionen durchführen und den Preis von "Tomato Ketchup" um 70 oder Aprikosenkonfitüre um 80 Rappen reduzieren. Falls dies ein durchschlagskräftiges Kaufargument sein sollte, und das scheint es einmal abgesehen von der Verkaufspolitik zu sein, dann verstehe ich die sozialen Verhältnisse in der Schweiz etwas besser. Ich nehme nicht an, dass CS-Chef Brady Dougan oder Tito Tettamenti sich mit solchen Lappalien herumschlagen.

18. Dezember 2011
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011). © Foto by OnlineReports.ch

aurel.schmidt@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Ein Rat von der Basis an die Strippenzieher"

Aurel Schmidt bringt es vor allem im letzten Abschnitt auf den Punkt: Der sogenannte Normalverbraucher muss Rappen spalten, die Finanzoligarchie jongliert mit Millionen/Milliarden/Billionen. Und auf wessen Kosten wird beim Sanieren von Staatshaushalten meistens gespart? Natürlich auf die der Rappenspalter. Gleichzeitig investieren finanzkräftige Leitfiguren Millionen in demagogische Werbekampagnen und suhlen sich dann in der Opferrolle, wenn sie ihre politische Agenda trotzdem nicht durchsetzen können. Ein Rat von der Basis an die klotzenden Strippenzieher: Wer beim Ketchup zu scharf kalkulieren muss, dessen Geist wird angeregt. Sie/er fängt nicht nur beim Einkaufen, sondern auch bei den nächsten Wahlen/Abstimmung noch mehr an nachzudenken. Über das Gourmet-Ketchup auf dem Tisch des Oligarchen. Über Eintopf-Parolen. Über angeblich simple Rezepte zur Lösung komplexer Probleme. "Man nehme …" – was Demagogen an versalzenem Pot-au-feu auftischen, wird auch mit Ketchup nicht schmackhafter, weder mit billigem noch mit teurem.



Esther Murbach, Basel


www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gesehen.gif
Verlust-Anzeige
für Kater Findus
in Facebook im Juli 2020
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gesehen.gif

Für den aktuellen Status wäre der Name "Suchus" angemessener.

RückSpiegel

 

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

In ihrem Beitrag über den Protest gegen das "General Sutter"-Denkmal in Rünenberg nahm die BZ auf OnlineReports Bezug.

Die BZ zog die OnlineReports-News über den Rücktritt von Beat Jans als IWB-Verwaltungsrat nach.

Auch das Regionaljournal zog die OnlineReports-Geschichte über Probleme in den Familiengärten nach, verzichtete aber vornehm auf eine Quellenangabe.

Die BZ nahm die OnlineReports-Recherche über die erneute Schliessung der Familiengärten an der Landesgrenze auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Berufung des Staatsanwalts im Fall der FCZ-Schlägerei im Lehenmattquartier auf.

Das Regionaljournal griff die OnlineReports-Geschichte über Kurzarbeit bei BaZ und BZ auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Stadtpräsidenten-Ambition von Kantonsspital-CEO Jürg Aebi auf.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Story über den anstehenden Gerichtsfall zum Rothenflüher Blechpolizisten-Sprenger auf.

In ihrem Basler Medien-Epos nahm die Medienwoche auch auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung, Prime News und die BZ berichteten unter Berufung auf OnlineReports über Adrian Plachesis Abgang bei Telebasel.

In ihren Bericht über den Abbruch des einstigen Kutscherhauses an der Rufacherstrasse in Basel bezogen sich 20 Minuten und die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm auf die OnlineReports-Recherche zum Konkurs der "Gallenacher"-Schule Bezog.

Die BZ nahm die OnlineReports-Meldung über die Beton-Elemente auf dem Basler Centralbahnplatz auf.

Die OnlineReports-News über die technische Panne bei Swisslos wurde von der BZ aufgenommen.

In ihrem Bericht über die Bereitschaft zur Regierungskandidatur von Beatriz Greuter zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die BZ online bezog sich in ihrem Bericht über den Tod des Baselbieter Lehrerverbands-Geschäftsführers Michael Weiss auf OnlineReports.

Die Volksstimme zitierte in ihrem Bericht über den Konkurs von "Die Medienmacher" aus OnlineReports.

Telebasel bezog sich im Bericht über den Widerstand gegen die Basler IBA-Rheinterrassen auf einen Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt in ihrem Bericht über den Neujahrs-Empfang der Handelskammer beider Basel auf OnlineReports Bezug.

Die BZ schrieb in derselben Ausgabe zwei OnlineReports-Meldungen ab, ohne die Quelle zu deklarieren. Wiederholungstat!

In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des ersten Baselbieter Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier wurde von der BZ, Telebasel, der Basler Zeitung und vom SRF-Regionaljournal nachgezogen.

Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz

 

Wegen der Corona-Situation haben der Gewerbeverband und das Erziehungsdepartement entschieden, die 8. Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse  vom 15. bis 17. Oktober nicht durchzuführen.

Auf der A2 bei Birsfelden wurde in der Nacht des 3. August ein in der Region wohnhafter Italiener als Raser erwischt, der bei erlaubten 80 mit 140 Stundenkilometern in Richtung Bern/Luzern unterwegs war.

Der Kanton Basel-Stadt, die IWB und Pro Innerstadt Basel gaben heute den offiziellen Startschuss für die Erneuerung der Freien Strasse und der angrenzenden Gassen.

Weil bei Bauarbeiten am Hochbergerplatz ein Stromkabel durchtrennt wurde, kam es am 30. Juli kurz vor 7.30 Uhr in Teilen von Kleinhüningen zu einem Stromunterbruch.

Die Friedhöfe Basel schreiben die Dienstleistungen für die Einsargung und die Überführung von Verstorbenen im Rahmen der unentgeltlichen Bestattung neu aus.

Die Universität Basel hat entschieden, ihren Dies academicus auf Grund der Corona-Pandemie nicht durchzuführen.

Die Baselbieter Corona-Abklärungs- und Teststation befindet sich neuerdings im Spenglerpark in Münchenstein.

Daniela Martin wird neue Geschäftsführerin der Basel Sinfonietta.

Am 8. Juli wurde im Basler Rathaus die Initiative für echten Wohnschutz und das Referendum gegen das "mieterfeindliche Nichtwohnschutzgesetz" eingereicht.

Mit über 4'000 Unterschriften ist in Basel-Stadt das Referendum gegen den umstrittenen Bau des Hafenbeckens 3 zustande gekommen, so dass es am 29. November zur Volksabstimmung kommt.

2. Juli: Einreichung der Initiative "Basel baut Zukunft", die 50 Prozent gemeinnützigen Wohn- und Gewerberaum auf Transformations-Arealen verlangt.

Niggi Rechsteiner übernimmt die Geschäftsführung der Basler "Stiftung Sucht" und folgt damit auf Francesco Castelli, der die Stiftung während neun Jahren geführt hat.

Jeanne Locher, seit 2016 Vizepräsidentin des Gemeinderates, ist mit 1'276 Stimmen neue Gemeindepräsidentin von Münchenstein, während Herausforderer Daniel Altermatt (GLP) auf 906 Stimmen kam.

Eveline Sprecher (SP) wurde in Aesch mit 1'087 Stimmen zur Gemeindepräsidentin gewählt, wobei FDP-Gemeinderat Stephan Hohl 726 Stimmen und Andreas Spindler (SVP) 305 stimmen erzielte.

In Allschwil setzte sich FDP-Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli mit 2'989 Stimmen klar gegen Gemeinderat Christoph Morat (SP) durch, der 1'696 Stimmen erzielte.

Mike Keller (FDP) bleibt mit 2'162 Stimmen Binninger Gemeindepräsident; seine grüne Herausforderin, Landrätin Rahel Bänziger Keel, kam auf 1'140 Stimmen.

"Teufelhof"-Chef Raphael Wyniger wird neuer Präsident des Basler Hotelier-Vereins und Nachfolger von Felix W. Hauser, der dieses Amt seit 2014 ausübte.

Der Baselbieter FDP-Landrat Heinz Lerf wurde heute Donnerstag, 25. Juni, mit 76 von 81 gültigen Stimmen zum Landratspräsidenten für das Amtsjahr 2020/2021 gewählt.

Die BLT und die AAGL nehmen ab Montag, 29. Juni, den Ticketverkauf durch das Fahrpersonal auf ihrem Liniennetz wieder auf.

Mit Carmen Kolp übernimmt zum 1. Juli erstmals eine Frau die Geschäftsführung der IG Kleinbasel (IGK), als Nachfolger von Benny Zeuggin.

An seiner Sitzung vom 22. Juni wählte der Vorstand der CVP Basel-Stadt Marco Natoli zum neuen Vizepräsidenten.

Nachdem die Baselbieter Polizei ihren Postenbetrieb aufgrund der Corona-Pandemie vorübergehend an einigen zentralen Standorten konzentriert hat, wird sie per 29. Juni alle Polizeiposten wieder öffnen.

OnlineReports-Kolumnistin Andrea Strahm wurde per brieflicher Wahl einstimmig als neue Präsidentin der CVP-Sektion Grossbasel-West gewählt.

Ein Baselbieter Automobilist fuhr mit seinem Mercedes auf einer 80 km/h-Strecke bei Schöftland AG mit 131 km/h in eine Tempokontrolle der Aargauer Kantonspolizei.

Die Gemeinde Gelterkinden ist mit 3'824 Franken pro Kopf (6'300 Einwohnende) verschuldet.