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Mathematiker Wiedemanns Rechnung ging auf

Von PETER KNECHTLI

Die Baselbieter Wahlen 2015 werden in die Geschichtsbücher eingehen: Zum ersten Mal seit 90 Jahren ist die SP nicht mehr in der Regierung vertreten. Den Sozialdemokraten ist es nicht gelungen, ihren frei werdenden Sitz zu verteidigen. Für den zurücktretenden Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP) wird die freisinnige Monica Gschwind auf den Regierungs-Sessel steigen.

Die Wahl der 52-jährigen Hölsteiner Treuhänderin und Landrätin ist eine gewisse Überraschung: Nicht wenige bürgerliche Beobachter und Kommentatoren hatten die Ansicht vertreten, die SP als zweitstärkste Kraft im Parlament müsse auch künftig in der Regierung eingebunden werden. Das Volk sah es anders. Es strafte nicht die bürgerliche Mehrheit in Regierung und Landrat ab, die nicht wenige Affären in der vergangenen Amtsperiode zu verantworten hat – es servierte vielmehr der SP die Quittung für die ins politische Trudeln geratene Bildungspolitik ihres Regierungsmitglieds.

Die Wiederwahl aller bisherigen vier Regierungsräte war allgemein erwartet worden. Dass sich CVP-Finanzdirektor Anton Lauber, seit gerade mal zwanzig Monaten im Amt, zum starken Mann im Regierungs-Kollegium und zum Stimmen-Wunder entwickeln wird, war anhand seiner ebenso zupackenden wie umsichtigen Art zu erwarten gewesen.

 

"Die neue Regierung muss jetzt klären,
wohin das Baselbiet steuern soll."

 

Die frischgewählte Monica Gschwind kann sich zu Recht freuen – und sich beim grünen Birsfelder Landrat Jürg Wiedemann bedanken: Mit seinem agilen Komitee "Starke Schule Baselland" nahm er offen in einem frühen Stadium des Wahlkampfs für die Wahl Gschwinds als neue Bildungsdirektorin Partei. Die Rechnung des Sekundarlehrers und gelernten Mathematikers Wiedemann ging auf: Seine kleine, gegen die SP gerichtete Sensation verschaffte der FDP-Kandidatin erstens lauten öffentlichen Gesprächsstoff und zweitens die zum Sieg entscheidenden Zusatzstimmen unzufriedener Lehrmeister.

Damit allein ist nicht zu erklären, dass die 16 Prozent-Partei FDP gleich zwei Frauen in die Exekutive zu hieven vermochte. Auschlaggebend für den bürgerlichen Triumph war der homogene Auftritt der in der wiedererstarkten "Bürgerlichen Zusammenarbeit" vereinigten Parteien SVP, FDP und CVP. Der aalglatten Kampagne war es gelungen, das aus Anton Lauber (CVP), Thomas Weber (SVP), Sabine Pegoraro und Monica Gschwind (beide FDP) bestehende Quartett den bürgerlichen Wählern glaubwürdig als verschworenes Team anzubieten.

Dass der grüne Sicherheitsdirektor Isaac Reber überraschend gut auf Platz drei landete, war nur möglich geworden, weil eine breite bürgerliche Wählerschicht die fünfte Linie des Wahlzettels nicht leer liess, sondern Reber die Stimme gab. Was der Sissacher Politiker in der Majorzwahl an Erfolg verbuchte, bescherte seinen Grünen in der Landrats-Proporzwahl eine brutale Niederlage: Sie verloren gleich einen Drittel ihrer bisherigen zwölf Sitze. Viele traditionelle Grün-Wähler wandten sich von den Ökologen, die bei ihrer Gründung noch klar links der SP standen, für ihren zunehmend liberalen Kurs im Schlepptau Rebers ab.

Schmerzlichste Verliererin dieser Wahl aber ist die SP, die mit zwei valablen Kandidaturen antrat. Sie vermochte allein nicht die nötige Mobilisierung und Durchschlagskraft zu entwickeln, wie es die Jungsozialisten vormachen. Überraschend ist das schlechte Abschneiden des Gewerkschafters Daniel Münger, der eher als Favorit vor der Staatsarchivarin Regula Nebiker galt. Offensichtlich stahl ihm Reber im bürgerlichen Lager die Show, während ihn vermutlich eine nicht geringe Zahl an SP-Frauen vom Wahlzettel verbannte. Die Liestaler Stadträtin Nebiker mit einem Saldo über dem absoluten Mehr erzielte immerhin einen Achtungserfolg.

Ihr ist aber zu verdanken, dass sie im Wahlkampf als Einzige die Frage nach der Erneuerung des Baselbiets aufgeworfen hatte: Wo es hinsteuern will, welche Ziele es verfolgt, wo Reformbedarf besteht. Sie muss diese Frage nun nicht beantworten – aber die neue Regierung. Wenn sie es heute nicht schafft, den Kanton für morgen fit und modern zu machen, dann dürften in vier Jahren die heute Siegreichen an ihren verpassten Gelegenheiten gemessen werden.

8. Februar 2015
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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peterknechtli@onlinereports.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Debakel könnte sich wiederholen"

Diesen Kommentar kann ich nur bedingt nachvollziehen. Im Parlament hat die SP ihren Wähleranteil und ihre Landrats-Sitze gemäss offiziellen Zahlen halten können, der Grund für den Verlust der Regierungsbeteiligung liegt also ausschliesslich an einer katastrophal falschen Strategie. Die Wahlkampfleitung hätte doch wissen müssen, dass zwei Kandidaturen bestenfalls eine Aufsplitterung der Wählerstimmen bringen und damit den todsicheren Verlust der Regierungsbeteiligung. Wer so blöd ist, wird bestraft – und zwar sofort. Das umso mehr, wenn man sich auch noch mit gewissen "Partnern" anlegt – wer zuwenig Zoff, Probleme und Sorgen hat, sucht sich wohl welche? Die lachenden Dritten sitzen in der bürgerlichen Regierung. Das ist eigentlich alles. Daraus sogar irgendeinen Trend für die nationalen Wahlen für den Herbst machen zu wollen, ist reine Kaffeesatz-Leserei. Die SP Baselland aber sollte Ihre "Strategen" in die Wüste schicken und aufhören, sich ins Westentäschchen zu heulen. Sonst wiederholt sich dieses Debakel einfach nochmals im Herbst 2015.


Max Mantel, Kilchberg ZH



"Herr Wiedemann wird aufwachen"

Herr Knechtli hat mit allem Recht. Herr Wiedemann wird aufwachen, wenn Frau Gschwind mit ihren Schulwahlversprechen zurückrudert aufgrund irgendwelcher Gründe. Erschreckend ist für mich, dass ausgerechnet jene Parteien gestärkt wurden, die für die meisten Schlamassel in der Kantonalpolitik der letzten Jahre verantwortlich sind. Schlussendlich haben diese Parteien die Mehrheit im Landrat und Regierungsrat. Eine Mehrheit will also solche Schlamassel.


Ruedi Basler, Liestal


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"Er soll mehrere Gedichtbänder veröffentlicht haben."

bz
am 16. Mai 2024
über den Attentäter
in der Slowakei
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Das kann man auch nicht mit Schweizer-Hochdeutsch erklären.

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel









In einem Satz


Jo Krebs übergibt nach über 23 Jahren seine Stelle als Leiter Unternehmenskommunikation von Primeo Energie an Nachfolger Fabian Hildbrand.

Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.