Werbung

Kommentare

<< [ 1 | (...) | 221 | 222 | 223 | 224 | 225 | 226 | 227 | 228 | 229 | 230 | (...) | 263 ] >>

Das Güte-Siegel FSC rettet die Tropenwälder nicht

Von RUEDI SUTER

A
lle wollen nur das Beste. Alle wollen die schwer bedrohten Urwälder im riesigen Kongobecken schützen helfen. Dafür haben sich Organisationen und Unternehmen, die vor drei Jahren noch erbitterte Gegner waren, zusammengerauft und die Medien vor einen Eisenbahnwaggon frisch importierter Urwaldriesen nach Klingnau geladen.

Hier sollte ihnen zuhanden der Schweizer Konsumierenden das "erste urwaldfreundliche Tropenholz aus Afrika" präsentiert werden. Doch kaum ein Medium folgte der Einladung. Die Organisatoren blieben, mit fünf Ausnahmen, in der schweizweit einzigen Tropenholzsägerei der Gebrüder Kappeler unter sich. Ein Desinteresse, das alarmiert: Weil im Kongobecken Schweizer Steuergelder eingesetzt werden. Weil der Schutz dieses grossen Regenwaldgürtels im Herzen Afrikas für das Weltklima von zentraler Bedeutung ist. Und weil der zweifellos denkwürdige Anlass in Klingnau mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt.

Die, die das Beste wollen, sind das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), der WWF, Greenpeace, die Türenfabrik Brunegg und die vom Deutschen Hinrich Stoll aufgebaute Firma Congolaise Industrielle des Bois (CIB), die in der Volksrepublik Kongo seit Dekaden den Urwald abholzt.

Um für die Kongowälder das Beste zu erreichen, haben Greenpeace und WWF mit Druck und Verhandlungen und das Seco mit klaren Bedingungen die CIB endlich zu einer wenigstens partiell besseren Bewirtschaftung sowie die Türenfabrik Brunegg für die Verwendung von Tropenholz aus "nachhaltiger Nutzung" bewegen können. Die Garantie hierfür liefert das international anerkannte, vom WWF geförderte Gütesiegel FSC des Forest Stewardship Council.

Das Siegel verspricht uns Konsumierenden, dass das Holz aus einem "sozial- und umweltverträglich bewirtschafteten Wald" stammt. Eine segensreiche Einrichtung - mit einer Ausnahme: Bei den letzten Urwäldern. Dort wird das viel gepriesene FSC-Label zur Kommerzwaffe. Dort verkommt es zum Killer-Instrument und Feigenblatt der involvierten Regierungen, Konzerne und Umweltorganisationen, die aus den Urwäldern Kapital schlagen wollen. Der einzige Schutz für die bedrohten Urwälder - Lebensraum von Waldvölkern, seltenen Tieren und Pflanzen - wäre, sie ganz in Ruhe zu lassen. Dafür müssten im Kongobecken vor allem die Europäer als bisherige Hauptprofiteure besorgt sein.

Stattdessen ist der seit der Kolonisation anhaltende industrielle Raubbau an den Regenwäldern Afrikas verheerender denn je: Immer schnellere Öffnung der Urwälder, unkontrollierte Abholzung, Entwurzelung der Waldvölker, Wilderei, Vernichtung von Fauna und Flora und die nachhaltige Zerstörung riesiger Landstriche sind die Folgen. Hinzu kommt, dass die Bäume zu einem Bruchteil ihres Wertes exportiert werden und die Einnahmen der Korruption wegen kaum je die betroffene Bevölkerung erreichen. So schockt die Realität vor Ort.

Dass in diesem Tohuwabohu, das neuerdings durch den Einfall rücksichtsloser malaysischer und chinesischer Holzkonzerne arg verschlimmert wird, überhaupt ein paar Kubikmeter Holz FSC-zertifiziert werden konnten, ist eine beachtliche Leistung. Allerdings wird sie irreführend verkauft: Das Güte-Siegel FSC kann die Regenwälder im Kongobecken nicht retten, das könnte nur eine entschlossene Staatengemeinschaft. FSC ignoriert im Kongobecken die Bedürfnisse der rechtlosen Waldmenschen, der Pygmäen. FSC fördert das Geschäft mit "urwaldfreundlichem" Holz, anstatt es zu reduzieren. Und FSC wirbt in der Schweiz für Türen aus mehreren hundert Jahren alten Urwaldbäumen, anstatt einheimische Alternativen aufzuzeigen, die nach der nicht mehr allzu fernen Totalabholzung der Tropenwälder ohnehin nötig sein werden.

Wenn also im Zusammenhang mit den Primärwäldern alle wirklich nur das Beste wollten, müsste alles für die Unantastbarkeit der letzten Urwälder unternommen werden. Doch davon sind wir noch weit entfernt. Auch in der Schweiz: Die vom Volk längst geforderte Deklarationspflicht für Holzprodukte wird von Parlament und Bundesrat weiterhin verwehrt. So bleibt uns Konsumierenden einmal mehr nur die Wahrnehmung der persönlichen Verantwortung: Hände weg von Holzprodukten aus Urwäldern, selbst wenn sie FSC-zertifiziert sind.

3. November 2006
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Ruedi Suter, Buchautor ("Bruno Manser - Die Stimme des Waldes") und Journalist in Basel, ist der OnlineReports-Spezialist für indigene Völker und Menschenrechte

ruedi.suter@mediaspace.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Er soll mehrere Gedichtbänder veröffentlicht haben."

bz
am 16. Mai 2024
über den Attentäter
in der Slowakei
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das kann man auch nicht mit Schweizer-Hochdeutsch erklären.

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel









In einem Satz


Jo Krebs übergibt nach über 23 Jahren seine Stelle als Leiter Unternehmenskommunikation von Primeo Energie an Nachfolger Fabian Hildbrand.

Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.