Analyse zum Rücktritt Reber

Nun gehts um die Mehrheit in der Regierung und die Zukunft der Grünen

Grüne gegen SVP, Mitte-Links gegen Büza – eine bedeutende Wahl steht bevor.

Regierungsrat Isaac Reber im August 2024 beim Restaurant Alpbad in Sissach
Captain Isi geht von Bord – wer folgt? (© Foto: Jan Amsler)

Isaac Reber ist bekannt dafür, dass er sich nicht reinreden lässt. So gesehen ist auch sein überraschend angekündigter Rücktritt als Bau- und Umweltschutzdirektor ein typischer «Isi-Move». Nur wenige Monate nach einer intensiven Ersatzwahl mit zwei Wahlgängen und kein Jahr vor den ohnehin angesetzten Gesamterneuerungswahlen fordert er von den Stimmberechtigten des Kantons, seine Nachfolge in der Regierung zu bestimmen.

Vielleicht hat der 64-Jährige seine guten (privaten) Gründe für diesen staatspolitisch fragwürdigen Zug. Vielleicht wollte er auch einfach seiner Partei einen Gefallen tun. Jedenfalls sind die Chancen für die Grünen, bei einer Ersatzwahl den Sitz verteidigen zu können, grösser als bei den Gesamterneuerungswahlen 2027.

Der frühere Parteipräsident und ehemalige Landrat Philipp Schoch sieht seinen Zeitpunkt gekommen. Bereits am 5. März werden die Grünen entscheiden, ob sie auf den Prattler Gemeinderat und Interessenvertreter der Waldeigentümer oder doch auf eine andere Kandidatur setzen. Sie haben einen Vorsprung gegenüber der SVP, die am Donnerstagmorgen vom Rücktritt Rebers überrascht wurde.

SVP-Präsident Peter Riebli muss aber nicht lange überlegen: «Wir treten an. Das ist für uns klar.» Die wählerstärkste Partei (22,88 Prozent) meldet ihren berechtigten Anspruch an. Im Fokus steht hier wohl Landrat Matthias Liechti. Auch Reto Tschudin ist als Kandidat denkbar. Als Landratspräsident ist er ohnehin schon sehr präsent, was die Partei nun ausnutzen könnte. Gleichzeitig ist ein Wahlkampf in dieser Funktion ungünstig, zumal Tschudin noch bis Ende Juni den Kanton zu vertreten hat und deshalb in seinen Aussagen zurückgebunden ist.

Nachdem die Bürgerliche Allianz (Büza) trotz anfänglichen Zerwürfnisses doch noch funktioniert hat und Markus Eigenmann Ende November vergangenen Jahres in die Regierung gewählt wurde, ist zu erwarten, dass das Lager auch im bevorstehenden Wahlkampf zusammenspannen wird.

Genauso wird die Linke versuchen, die GLP auf ihre Seite zu ziehen und die neue Partnerschaft der «progressiven Kräfte» zu verfestigen. GLP-Co-Präsident Thomas Tribelhorn sagt zwar zu OnlineReports, dass eine eigene Kandidatur «sicher eine ernsthaft zu prüfende Option» sei. Doch wenn der Sitz links bleiben soll, ergibt eine grünliberale Kandidatur keinen Sinn, da sich die Stimmen verzetteln würden. Dass die SP selbst Anspruch stellt, ist unwahrscheinlich.

Die Partei verfolgt nämlich andere Ziele: Sie will mit Samira Marti den Ständeratssitz holen. Die SP hat sich bei der Gschwind-Ersatzwahl schon die Unterstützung der GLP gesichert, indem sie deren Regierungskandidatin Sabine Bucher portierte. Nun könnte sie auch bei den Grünen Druck machen: dass die amtierende Ständerätin Maya Graf ihren Rücktritt gibt und sich die Partei ebenfalls für Marti ausspricht. Als Gegenleistung für ihren Einsatz zugunsten des grünen Regierungssitzes.

Das Gleiche auf der anderen Seite. Hier haben Mitte-Politiker Pascal Ryf und der Freisinnige Balz Stückelberger Interesse am Ständerat angemeldet. Vor allem die grössere FDP könnte die Chance ergreifen, um die SVP davon zu überzeugen, sich im Gegenzug für ihren designierten Stöckli-Kandidaten einzusetzen.

Nun werden die Allianzen am 14. Juni ihre Kräfte messen. Es geht um viel: Mit der SVP hätten die Bürgerlichen in der Regierung eine Mehrheit. Währenddessen wollen die Grünen, die sich mit sinkenden Wähleranteilen konfrontiert sehen und womöglich auch den Ständeratssitz abgeben werden, einen weiteren Bedeutungsverlust abwenden.

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Kommentare

Ruedi Basler
13. Februar 2026 um 11:27

Weniger Chancen

Bei dieser Ausmarchung im Juni 26 geht es um Rot-Grün gegen Rechtsbürgerlich. Da stehen die Chancen für Grüne eher kleiner als bei einer Gesamterneuerungswahl des RR.

Ruedi Basler
13. Februar 2026 um 11:24

Vergessen?

Ist es möglich, dass weder Reber noch die Grünen daran dachten: Im Juni 26 kommt die 10-Millionen-Initiative an die Urne. Da werden sehr viele SVPler weibeln. Die Chance zusammen mit Rechtsbürgerlich für einen SVP-RR-Sitz ist also sehr hoch. Absicht kann es ja nicht sein.

Roland Stark
13. Februar 2026 um 10:43

Polit-Mathe

Den Kommentar verstehe ich nicht. Es wird behauptet, mit einem Sitzgewinn der SVP auf Kosten der Grünen bekäme das Baselbiet eine bürgerliche Regierung. Bisher war ich der Meinung, eine solche bürgerliche Mehrheit bestünde seit Jahrzehnten. Wohl schon seit der Kantonsgründung. Oder doch nicht?