Nun gehts um die Mehrheit in der Regierung und die Zukunft der Grünen
Grüne gegen SVP, Mitte-Links gegen Büza – eine bedeutende Wahl steht bevor.
Isaac Reber ist bekannt dafür, dass er sich nicht reinreden lässt. So gesehen ist auch sein überraschend angekündigter Rücktritt als Bau- und Umweltschutzdirektor ein typischer «Isi-Move». Nur wenige Monate nach einer intensiven Ersatzwahl mit zwei Wahlgängen und kein Jahr vor den ohnehin angesetzten Gesamterneuerungswahlen fordert er von den Stimmberechtigten des Kantons, seine Nachfolge in der Regierung zu bestimmen.
Vielleicht hat der 64-Jährige seine guten (privaten) Gründe für diesen staatspolitisch fragwürdigen Zug. Vielleicht wollte er auch einfach seiner Partei einen Gefallen tun. Jedenfalls sind die Chancen für die Grünen, bei einer Ersatzwahl den Sitz verteidigen zu können, grösser als bei den Gesamterneuerungswahlen 2027.
Der frühere Parteipräsident und ehemalige Landrat Philipp Schoch sieht seinen Zeitpunkt gekommen. Bereits am 5. März werden die Grünen entscheiden, ob sie auf den Prattler Gemeinderat und Interessenvertreter der Waldeigentümer oder doch auf eine andere Kandidatur setzen. Sie haben einen Vorsprung gegenüber der SVP, die am Donnerstagmorgen vom Rücktritt Rebers überrascht wurde.
SVP-Präsident Peter Riebli muss aber nicht lange überlegen: «Wir treten an. Das ist für uns klar.» Die wählerstärkste Partei (22,88 Prozent) meldet ihren berechtigten Anspruch an. Im Fokus steht hier wohl Landrat Matthias Liechti. Auch Reto Tschudin ist als Kandidat denkbar. Als Landratspräsident ist er ohnehin schon sehr präsent, was die Partei nun ausnutzen könnte. Gleichzeitig ist ein Wahlkampf in dieser Funktion ungünstig, zumal Tschudin noch bis Ende Juni den Kanton zu vertreten hat und deshalb in seinen Aussagen zurückgebunden ist.
Nachdem die Bürgerliche Allianz (Büza) trotz anfänglichen Zerwürfnisses doch noch funktioniert hat und Markus Eigenmann Ende November vergangenen Jahres in die Regierung gewählt wurde, ist zu erwarten, dass das Lager auch im bevorstehenden Wahlkampf zusammenspannen wird.
Genauso wird die Linke versuchen, die GLP auf ihre Seite zu ziehen und die neue Partnerschaft der «progressiven Kräfte» zu verfestigen. GLP-Co-Präsident Thomas Tribelhorn sagt zwar zu OnlineReports, dass eine eigene Kandidatur «sicher eine ernsthaft zu prüfende Option» sei. Doch wenn der Sitz links bleiben soll, ergibt eine grünliberale Kandidatur keinen Sinn, da sich die Stimmen verzetteln würden. Dass die SP selbst Anspruch stellt, ist unwahrscheinlich.
Die Partei verfolgt nämlich andere Ziele: Sie will mit Samira Marti den Ständeratssitz holen. Die SP hat sich bei der Gschwind-Ersatzwahl schon die Unterstützung der GLP gesichert, indem sie deren Regierungskandidatin Sabine Bucher portierte. Nun könnte sie auch bei den Grünen Druck machen: dass die amtierende Ständerätin Maya Graf ihren Rücktritt gibt und sich die Partei ebenfalls für Marti ausspricht. Als Gegenleistung für ihren Einsatz zugunsten des grünen Regierungssitzes.
Das Gleiche auf der anderen Seite. Hier haben Mitte-Politiker Pascal Ryf und der Freisinnige Balz Stückelberger Interesse am Ständerat angemeldet. Vor allem die grössere FDP könnte die Chance ergreifen, um die SVP davon zu überzeugen, sich im Gegenzug für ihren designierten Stöckli-Kandidaten einzusetzen.
Nun werden die Allianzen am 14. Juni ihre Kräfte messen. Es geht um viel: Mit der SVP hätten die Bürgerlichen in der Regierung eine Mehrheit. Währenddessen wollen die Grünen, die sich mit sinkenden Wähleranteilen konfrontiert sehen und womöglich auch den Ständeratssitz abgeben werden, einen weiteren Bedeutungsverlust abwenden.
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