Nachruf

Baselbieter Mundart-Expertin Vreni Weber-Thommen gestorben

Die Autorin war neben ihrem sprachlichen Geschick für ihre scharfsinnigen Beobachtungen von Alltäglichem und ihren feinen Humor bekannt.

Autorin Vreni Weber-Thommen im Vorwort zum Buch: Wie zum Gugge schrybt me Baselbieterdütsch
Vorwort des 2020 erschienenen Buchs «Wie zum Gugger schrybt me Baselbieterdütsch?» mit Porträtbild von Vreni Weber-Thommen. (© Foto: Jan Amsler)

Seit 1974 hat Vreni Weber-Thommen publiziert. Sie schrieb Kurzgeschichten, Kolumnen und Bücher auf Hochdeutsch und im Oberbaselbieter Dialekt. Sie war vor allem für ihre Mundart-Beiträge bekannt, die in Zeitungen und Radio erschienen sind, so etwa in der Basler Zeitung oder beim damaligen Radio DRS. Nun ist Weber-Thommen am 3. Februar im Alter von 92 Jahren gestorben.

Die Publizistin war von Beruf Kindergärtnerin. Aufgewachsen in Lausen, lebte sie seit 1962 in Gelterkinden. Dazwischen war sie auch in Italien und England tätig.

Weber-Thommen gab im Auftrag der Volkshochschule beider Basel Mundartkurse und setzte sich stark mit dem Wandel der Sprache auseinander. 2020 erschien im Verlag Baselland das Buch «Wie zum Gugger schrybt me Baselbieterdütsch?». Es handelt sich um eine zugängliche Anleitung zur Schreibweise des Dialekts.

«Vreni Weber-Thommen war das Mass aller Dinge», sagt Heiner Oberer über seine verstorbene Kollegin. Sie habe mit ihren Büchern viel bewirkt im Umgang mit der Muttersprache. Der Journalist und Autor aus Sissach verfasste unter anderem während 16 Jahren Mundart-Kolumnen für die BaZ. Er tauschte sich regelmässig mit Weber-Thommen aus. Man war sich nicht immer einig, doch sie sei «niemals dogmatisch oder lehrerhaft» gewesen. «Sie war eine Gsatzligi», sagt Oberer.

Weber-Thommen setzte sich für eine pragmatische Mundart-Schreibweise ein. Sie verzichtete offenbar darauf, beim Standardwerk «Baselbieter Wörterbuch» mitzuwirken – vermutlich auch, weil die dort vertretene phonetische Schreibweise in ihren Augen zu streng und für die alltägliche Anwendung untauglich war.

Neben dem sprachlichen Geschick war Weber-Thommen für ihre scharfsinnigen Beobachtungen von Alltäglichem und ihren feinen Humor bekannt. Im Mai 2013 eröffnete der damalige Landratspräsident Jürg Degen die Parlamentssitzung mit einer literarischen Einstimmung und wählte ein Gedicht von Vreni Weber-Thommen:

Nochruef von ere Ehefrau

Er heig se nie verstande. Er syg all churz abunde gsi mitere. Mit em Gäld heig er gschmürzelet. Öppenemol heig er z tief ins Glas gluegt. Aber abgseh vo däm syg er scho rächt gsi, het si gseit, woner gstorben isch. Abgseh vo däm.

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