Bargeldloser Zugang zum SBB-Örtchen – oder gar nicht
Wer es noch nicht bemerkt hat: Die SBB stellen ihre WC-Anlagen an den Bahnhöfen auf ein bargeldloses Bezahlsystem um, «um den Zugang zu vereinfachen und die Hygiene zu verbessern». Letzteres trifft sicher zu, mit dem vereinfachten Zugang ist es aber so eine Sache. Unsere erste Erfahrung mit dem neuen System machen wir am Bahnhof Dornach. Dort gibt es ein WC für die SBB-Haltstelle einer Agglomeration mit über 40'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Früher kam man mit Münzeinwurf hinein, wobei man aufpassen musste, dass die Türe nicht gleich wieder zuschnappte und nochmals derselbe Betrag fällig war. Jetzt ist der Zugang bargeldlos. Empfohlen wird der Kauf einer WC-Zutrittskarte am Selecta-Automaten im Wert von 1 Franken. Gesagt, getan. In der Anleitung heisst es: «QR-Code am WC-Eingang scannen und mit OK auf dem Display bestätigen.»
Doch nichts geschieht. Wir ziehen unverrichteten Geschäfts unseres Weges. Erst später, bei der renovierten WC-Anlage im Basler Bahnhof SBB, begreifen wir, dass man mit der Debitkarte oder anderen elektronischen Zahlungsmitteln direkt abbuchen kann. Die papierne Zahlkarte funktioniert hier auch nicht, weil der Eintritt ins stille und saubere Örtchen 1.50 Franken kostet. Das alles ist aber schlecht beleuchtet und nicht auf Augenhöhe. Die Generation Twint hat damit keine Probleme, die ältere Generation schon eher, wie der Augenschein zeigt. Fremdsprachige Touristen sind ausnehmend freundlich. Sie lassen es sich nicht nehmen, den Vortritt zu gewähren, wenn die Türklappen offen sind, andere danken, wenn wir dasselbe tun.
Schlussbemerkung im Kontext der Bargeld-Initiative: Ausgeschlossen sind diejenigen, die über gar keine valablen elektronischen Zahlungsmittel verfügen. Wer ein Gratis-WC sucht, muss am Bahnhof in Basel weit gehen. Das einzige befindet sich am Meret-Oppenheim-Platz, unterhalb der Passerelle. Der Kanton hat es eingerichtet. Die Kernkompetenz der SBB ist, für pünktliche Zugverbindungen zu sorgen. Bedürfnisanstalten zu betreiben, gehört eher nicht dazu. Es sei denn, man will gerade verreisen, steigt in den Zug ein und strebt das dortige WC an, wenn es nicht gerade ... Aber das ist wieder eine andere Geschichte.