Hilfe! Anton Laubers Warteschleife kollabiert
Mit dem dreistelligen Millionenbetrag aus der Radicant-Pleite hätte die Baselbieter Steuerverwaltung ein paar sachkundige Callcenter-Aushilfskräfte engagieren können.
Der Sprachkosmetik-Trend in kantonalen Verwaltungen ist nicht neu: Aus Einwohnerinnen werden Kundinnen, aus dem Sanitäts- wird das Gesundheitsdepartement und aus dem Polizei- das Sicherheitsdepartement. Wohl bald wird die Steuerverwaltung in eine Administration für monetäre Bürgerpartizipation umfirmiert.
Von der Baselbieter Steuerverwaltung erhielten die individuellen Finanzierenden des Baselbiets mit traditionell vorbildlicher Promptheit (Datum vom 5. Januar 2026) per Post die Unterlagen zur Staatspflicht: Angaben über Schulden oder Guthaben gegenüber dem kantonalen Fiskus. In leiser Vorahnung erwarten nicht näher bezeichnete Begriffe wie «Umbuchungen von 2024», Kontoauszüge und Steuerrechnungen auf den Fünfer genau die Empfänger.
Wer aus den Listen des Finanzamts nicht genügend schlau wird, hat die Möglichkeit, sich unter der Telefonnummer 061 552 51 40 «Auskünfte» einzuholen. Aber offenbar besteht zur Klärung offener Fragen mehr Bedarf, als die Verwaltung zu bewältigen vermag.
Es piepst in Liestal, und sofort meldet sich die Automaten-Stimme mit «Bitte Personen-ID bereithalten». Aha, schon mal gut! Doch nachdem erneut die Automaten-Stimme ertönt, verdüstert sich die Stimmung. Man droht, in die Warteschleife zu geraten.
Die Wissensgier aus dem Volk der Steuerzahlenden muss beträchtlich sein.
Schön wärs! Das «System», sagt der Stimmen-Automat, sei derart überlastet, dass es «den Anruf nicht mehr in die Warteschleife aufnehmen kann». Ein weiterer Versuch, einen Arbeitstag später, ergab dieselbe Diagnose: keine Erreichbarkeit. Wenn also selbst eine Warteschleife kollabiert, muss die Wissensgier aus dem Volk der Steuerzahlenden beträchtlich sein.
So bleibt die Steuerpost-Pendenz tagelang ungeklärt auf dem Tische liegen – Zeit für positive Gedanken: Wie bürgernah-empathisch wäre es doch gewesen, wenn der dreistellige Millionenbetrag aus der Radicant-Pleite Anton Laubers Steuerverwaltung zugute gekommen wäre, um für den voraussehbaren Ansturm von Menschen, die steueradministrativ Hilfe benötigen, ein paar sachkundige Callcenter-Aushilfskräfte zu engagieren.
Denn wer will – es lockt ja ein Vergütungszins in Promillehöhe –, dass die Citoyens und Citoyennes mit langer Leitung ihren Obolus termingerecht entrichten, sollte auch bei deren Beratung auf Promptheit achten und Verzug bei Beratungsgesprächen vermeiden.
Oder nehmen die Eintreiber etwa bewusst Beratungs-Verzug in Kauf, damit aus der Steuerverwaltung keine Teuerverwaltung wird?