Museumsreife Seilbahn
Zur Idee von Landrat Balz Stückelberger, das Ergolztal und das Birseck über den Gempen zu verbinden.
Der zurücktretende FDP-Landrat Balz Stückelberger hat zum Abschluss seiner Parlamentstätigkeit mit Architekt Rolf Stalder eine Idee für eine Seilbahn über den Gempen lanciert. Das ist wohl im Zusammenhang zu sehen mit der Initiative der Wirtschaftskammer für eine Verkehrsverbindung zwischen dem Raum Liestal/Ergolztal und dem Birseck. Denn die beiden wichtigen Wirtschaftsräume, so klagen bürgerliche Verkehrspolitiker, sind nur über den oft verstopften Schänzlitunnel zu erreichen. Oder dann über die Bruderholzstrasse, die im Raum Muttenz nur von Kantons- und Gemeindestrassen abgenommen wird.
Es lässt sich schon jetzt sagen, dass beide Initiativen im Museum der nie realisierten Projekte landen. Denn die Tunnelidee der Wirtschaftskammer scheitert abgesehen von den Finanzen an den fehlenden Einfahrtsmöglichkeiten im dicht besiedelten Raum Münchenstein/Arlesheim, vom solothurnischen Dornach gar nicht zu reden.
Apropos Solothurn: Der grösste Teil des Gempenplateau ist Territorium dieses Kantons. Als es seinerzeit um einen möglichen Neubau des Restaurants auf der Schartenfluh (Gempenstollen) ging, machte das solothurnische Amt für Raumplanung diskret darauf aufmerksam, dass das gesamte Gempenplateau im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN 1107) liegt. Wer wissen möchte, warum und was das bedeutet, kann dies im entsprechenden Inventarblatt des Bundes nachlesen. Auf schönere Weise lässt es sich bei einer Wanderung erfahren.
Doch warum sollte man diese Schönheiten nicht aus einer Seilbahngondel betrachten?
Schwere Eingriffe in Objekte aus dem Bundesinventar sind nicht möglich, wenn keine gleich- oder höhenwertigen Interessen von nationaler Bedeutung vorliegen. Es gibt dann nicht einmal eine Interessenabwägung. Und bei einer Seilbahn auf den Gempenstollen handelt es sich zweifellos um einen schweren Eingriff. Und Bundesinteressen bestehen dafür auch nicht.
Vor allem im Ständerat gibt es zwar massive Bestrebungen, die Wirkung der Bundesinventare abzuschwächen, aber bis hier wirklich etwas geschieht, kann es noch dauern.
Wir wollen zwar nicht verhehlen, dass die Schartenfluh nach einer «Waldpflege» in den vergangenen Jahren wie ein gerupftes Huhn aussieht, abgesehen von den riesigen Funkantennen, die dort schon lange stehen. Und die Gemeinde Hochwald hat im Nettenberg, weit ausserhalb des Dorfkerns, ein ganzes Villenquartier eingerichtet. Aber das war noch, bevor der Bund die raumplanerischen Zügel straffte.
Es liesse sich noch viel erzählen vom Gempenplateau, und es wurde auch schon getan. Den Wirtschafts- und Verkehrspolitikern empfehlen wir, die Finger davon zu lassen und sich auf den Muggenberg-Tunnel zu konzentrieren – wenn schon gebohrt werden muss.