Hardy Hepp war auf seine Art ein ganz Grosser
Der Rock-Pionier und Maler ist am 26. Januar im Alter von 81 Jahren gestorben.
Still und leise ist er gegangen, der Schweizer Rock-Pionier, der einer der ganz Grossen seines Genres in diesem Lande war. Und dies, ohne jemals ein grosses Wesen um seine Musik und seine Kunst zu machen. Denn Hardy Hepp war nicht einfach Musiker, er war Produzent, Chorleiter und im Herbst seines Lebens – übrigens wie schon in seiner Jugend – vor allem Maler. Hardy Hepp war in jeder Hinsicht ein aussergewöhnlicher Mensch, dem Eigenständigkeit und Unabhängigkeit über alles ging, und der sich trotz Aussicht auf materiellen Reichtum nicht kaufen liess.
In seinen jungen Jahren tourte Hardy Hepp im Duo mit dem Gitarristen Walty Anselmo (2024 gestorben) und produzierte die damals angesagteste Band in der Schweiz, Les Sauterelles. Mit Anselmo trat er auch 1968 im Vorprogramm der Rolling Stones im Hallenstadion auf. 1968 gründete der Zürcher Pianist, Violinist, Gitarrist und Sänger die legendäre Band Krokodil – mit Walty Anselmo (Gitarre, Sitar, Gesang), Terry Stevens (Bass), Mojo Weideli (Bluesharp und Flöte) und dem Sauterelles-Drummer Düde Dürst.
Fantastisches Krokodil
Mit seinem ureigenen Soundmix aus Blues, Rock, Folk und Psychedelic-Rock war Krokodil damals eine Sensation. Die Schweiz hatte ihre Antwort auf den britischen Beat und Bluesrock und den deutschen Krautrock gefunden. Zwei Alben, «Krokodil» (1969) und «Swamp» (1970) zeugen von dieser ausserordentlich kreativen Epoche moderner Schweizer Musik. Von Hepp gesungene Titel wie «Morning Dew», ein von der Jeff Beck Group bekannt gemachter Folksong, von Hepp aber ebenso wunderbar interpretiert wie vom damaligen Jeff-Beck-Group-Sänger Rod Stewart, oder die wunderschön-poetische Ballade «Sunlights Beautiful Daughter» bleiben unvergesslich.
Leider wars das aber auch schon mit Hardy Hepp und Krokodil. Die Echse machte zwar im Quartett weiter und nahm noch diverse Platten auf, die sich alle hören lassen konnten. Aber es war eben nicht mehr dasselbe.
An der Schwelle zum grossen Star
Hardy Hepp startete derweil in Amerika eine Solokarriere. Und arbeitete dabei mit musikalischen Grössen wie dem Jazz-Bassisten Ron Carter oder dem Zappa-Gefährten zu den legendären Hot-Rats-Zeiten, Captain Beefheart (Don Van Vliet), zusammen. Und vielleicht wäre damals aus Hepp ja so etwas wie ein Star geworden, wenn er sich den Gewaltigen des amerikanischen Musikbusiness gebeugt und das gesungen hätte, was diese für ihn vorgesehen hatten.
Das aber wollte er nicht. Weder liess sich Hardy Hepp kaufen, noch wollte er nach irgendjemandes Pfeife tanzen. Dann lieber in einem alten Schulhaus im Prättigau ein friedliches und selbstbestimmtes Leben mit seiner Familie führen.
Ohnehin wollte sich Hepp nie in eine musikalische Schublade stecken lassen. So hatte er stets ein unverkrampftes Verhältnis etwa zur Volksmusik. 1991 gründete er den Hepp-Chor, mit Hardy am Piano und einem guten Dutzend Sängerinnen, zu denen auch Vera Kaa und die viel zu früh verstorbene Sandra Goldner gehörten. Mit «Jedes Jedi Jede Weiss» eroberte der Chor sogar die Schweizer Hitparade.
Maler wie Captain Beefheart
2011 beendete Hardy Hepp seine musikalische Karriere. Ähnlich wie Captain Beefheart (1941–2010) widmete er sich nach der Musik praktisch ausschliesslich dem Malen. Und mit dem Eintritt ins Rentenalter hatte der Lebenskünstler, wie er in seiner Biografie (Hardy Hepp; Ein Leben als Musiker und Maler: Aufgezeichnet von Michael Lütscher) erklärte, erstmals ein regelmässiges Einkommen.
Am 26. Januar starb Hardy Hepp in einem Spital im Kanton Thurgau. Mit seinem Hinschied lichten sich die Reihen der Schweizer Rock-Pioniere weiter. Mögen uns Toni Vescoli, Düde Fürst und der Blueser Dinu Logoz noch ein Weilchen erhalten bleiben.