Trotz Crans-Montana: Sissach hält an der Chluriverbrennung fest
Während Liestal erwägt, den Chienbäse-Umzug abzusagen, will die Fasnachtsgesellschaft der Oberbaselbieter Gemeinde nicht auf den traditionsreichen Brauch verzichten.
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana mit 40 Toten und 116 Verletzten wiegt schwer. Emotional, aber auch auf praktischer Ebene. Themen zu Sicherheit und Brandschutz sind in den vergangenen Tagen verstärkt in den Fokus gerückt. Vor allem auch im Hinblick auf die bevorstehende Fasnacht.
Neben der Frage, ob die Cliquenkeller alle Vorgaben erfüllen, erwägt man in Liestal, den Chienbäse-Umzug dieses Jahr abzusagen. Dabei geht es weniger um die Sicherheit. Diese ist beim Feuerspektakel, das zu einem Touristenmagneten geworden ist und jeweils 50’000 Menschen anzieht, im engen Stedtli grundsätzlich eine Herausforderung. Vielmehr stelle sich die Frage, ob es «aus Gründen der Pietät» angezeigt sei, den traditionsreichen Anlass dieses Jahr durchzuführen, sagt die für die Sicherheit zuständige SP-Stadträtin Pascale Meschberger in der bz. Sie will das Thema im Stadtrat ansprechen.
Der Chienbäse ist nicht die einzige Fasnachtsveranstaltung, die mit Feuer in Verbindung steht. In der Oberbaselbieter Gemeinde Sissach findet immer am Donnerstagabend nach der Basler Fasnacht die Chluriverbrennung statt. Dabei wird eine über sechs Meter hohe Holzpuppe den Flammen übergeben. Die Figur verkörpert eine Sissacher Persönlichkeit, die durch besondere Ereignisse oder Taten aufgefallen ist. Die grüne Ständerätin Maya Graf und ihr Parteikollege, der Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber, wurden auch schon auf diese Weise geehrt.
Deplatziert?
Es handelt sich um einen beliebten und über 70 Jahre alten Brauch. Doch vor dem Hintergrund, dass im Wallis vorwiegend junge Menschen durch Flammen ums Leben gekommen sind, könnte die Chluriverbrennung als deplatziert empfunden werden.
Rebecca Badella ist Präsidentin der Fasnachtsgesellschaft Sissach. Sie reagiert überrascht auf die Frage von OnlineReports, ob der Anlass dieses Jahr stattfinde. Darüber habe sie sich gar keine Gedanken gemacht, sagt sie. Die engagierte Fasnächtlerin zögert aber nicht lange mit ihrer Antwort – für sie kommt eine Absage des Chluri wegen Crans-Montana nicht infrage. «Ich möchte nicht pietätlos wirken: Was in der Silvesternacht geschehen ist, ist schrecklich. Doch das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.»
Verbrannt, «aber nicht getötet»
Beim Chluri werde zwar symbolisch jemand verbrannt, «aber nicht getötet», erklärt Badella. Die parodierte Person steige durch die Flammen und den Rauch in den Chluri-Himmel. «Das ist eine Ehre.» Ausserdem markiere die Chluriverbrennung den Abschluss der Sissacher Fasnacht.
Badella möchte die Frage einer Absage im Vorstand der Fasnachtsgesellschaft gar nicht erst thematisieren. «Ausser ich erhalte deswegen 50 Zuschriften. Aber davon gehe ich nicht aus», sagt sie.
Der Gemeindepräsident von Sissach, Peter Buser, teilt Badellas Meinung. Nachdem er erfahren habe, dass der Chienbäse in Liestal vielleicht ausfällt, habe er sich zwar kurz Gedanken gemacht. Er sei dann aber zum Schluss gekommen, dass es falsch wäre, wegen Crans-Montana aufs Chluri zu verzichten. Man könne die beiden Ereignisse nicht gleichsetzen, sagt er. Und er glaube, dass dies der grosse Teil der Sissacher Bevölkerung ebenso sehe.