Wohnen im Bettenhochhaus

Verein will Bruderholzspital umnutzen

Mit Blick über die Rochetürme: Sollte sich die Politik für einen neuen Standort des Kantonsspitals Baselland in Pratteln entscheiden, könnte auf dem Bruderholz Wohn- und Arbeitsraum entstehen.

Visualisierung Wohnung im Bettenhaus des KSBL auf dem Bruderholz
So könnte eine Wohnung im Bettenhochhaus des Bruderholzspitals aussehen. (© Visualisierung: Salathé Architekten Basel)

Noch steht nicht fest, ob das Kantonsspital Baselland (KSBL) künftig an einem einzigen und neuen Standort auf dem Areal Salina Raurica Ost in Pratteln stehen wird. Oder ob das KSBL die bisherigen Standorte in Liestal und auf dem Bruderholz beibehält und die Infrastruktur saniert. Die Baselbieter Regierung will ihre Strategie voraussichtlich bis Ende März festlegen und sie dem Landrat vorlegen.

Bei der Standortfrage geht es um mehr als nur wirtschaftliche und ökologische Fragen. Es geht um die Verbundenheit zum eigenen Spital. Um Emotionen. Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb die Meinungen selbst innerhalb der Parteien noch nicht definitiv gemacht sind. Bis auf die SP, die sich für die Zweistandort-Variante ausspricht, scheinen die Fraktionen im Landrat gespalten zu sein. Beim Freisinn, so erzählt man sich, seien sogar die einzelnen Vertreterinnen und Vertreter gespalten.

Das KSBL selbst bevorzugt den Status quo mit den zwei Standorten. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man mit den Verantwortlichen spricht. Wohl auch, weil die Umbaupläne bereits vorhanden sind und man sie nur noch aus der Schublade holen müsste.

Neue Idee befeuert Diskussion

Nun wird die Diskussion durch eine neue Idee zusätzlich befeuert: Was wäre, wenn das Spital auf dem Bruderholz nicht weiterbetrieben, sondern als neuer Lebens- und Wohnraum weitergedacht würde? Hinter dieser Frage steckt der Verein Lebensraum Bruderholz, der aus Eigeninitiative der Salathé Architekten Basel entstanden ist. Das Büro hat bereits Erfahrung mit Umnutzungen von Gesundheitsbauten. Es hat etwa die Rennbahnklinik in Muttenz zu Wohngemeinschaften für Studierende umfunktioniert.

Der Verein masse sich nicht an, in die Standortentscheidung einzugreifen, schreibt er in einem Communiqué. Doch es falle auf, dass eine alternative Nutzung der bestehenden Bauten als Option fehle, sollte man sich für ein neues Spital in Pratteln entscheiden.

KSBL auf dem Bruderholz
Heutiges Bruderholzspital. (© Foto: Alessandra Paone)
Visualisierung Wohn- und Arbeitsraum im Bruderholzspital
Vision: Quartier im Grünen ... (© Visualisierung: Salathé Architekten Basel)
Visualisierung Wohn- und Arbeitsraum im Bruderholzspital
... mit viel Platz zum Spielen. (© Visualisierung: Salathé Architekten Basel)

Die Initianten stellen sich ein «vollständig im Bestand entwickeltes Quartier» vor, das «energieautark, ressourcenschonend und als Netto-Null-Areal konzipiert ist – mit hoher Lebensqualität vor den Toren der Stadt». Dazu wurde eine Studie erarbeitet. Diese sei aber nur ein erster Entwurf, eine Skizze zur Diskussion.

32'000 Quadratmeter Wohnfläche

Unter anderem sollen im Bestand und durch Aufstockung auf einer Fläche von insgesamt 32’000 Quadratmetern bis zu 420 Wohnungen für über 1000 Menschen entstehen. Ein breiter Wohnungsmix von Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen ermögliche Vielfalt für alle Lebensphasen und Budgets, argumentiert der Verein.

Für Wohnen und Arbeiten im Bruderholzspital spreche der grosszügige Raum und «eine hervorragende Lage»: nah am Bahnhof SBB, gut erschlossen, im Grünen. Da ein Umbau günstiger sei als ein Neubau, könne bezahlbarer Wohn- und Arbeitsraum entstehen. Zudem würden soziale Netze bestehen bleiben.

Zu den Kosten äussert sich der Verein nicht. Für eine differenzierte Betrachtung brauche es konkrete Untersuchungen; dafür sei es angesichts der politischen Standortdiskussion zu früh.

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