Einmal Tschingg, immer Tschingg!
Bis 1970 stieg der Anteil an Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz auf 20 Prozent der Wohnbevölkerung. Die meisten kamen aus Italien; sie arbeiteten als Saisonniers, blieben neun Monate und kehrten dann zurück in ihre Heimat. Mit dem Geld, das sie verdienten, unterstützten sie ihre Familien in Italien. Sie hofften, irgendwann für immer heimkehren zu können. Zu Hause etwas aufzubauen, eine Zukunft.
Doch sie blieben. So auch der Vater von Giuseppe Branca (Bild) und jener der Schreibenden.
Die Italienerinnen und Italiener waren fröhlich, laut. Anders. Man mochte sie nicht, beschimpfte sie als Tschinggen, Spaghettifresser, wertete sie pauschal als kriminell oder minderwertig ab – und bekämpfte sie. Albert Stocker, Fabrikant von Schönheitsmitteln in Zürich, gründete 1963 die «Schweizerische überparteiliche Bewegung zur Verstärkung der Volksrechte und der direkten Demokratie», die im Volksmund «Anti-Italiener-Partei» genannt wurde. Sie hatte zum Ziel, die Überfremdung durch Gastarbeiter zu stoppen. Die Bewegung stiess bei vielen Schweizerinnen und Schweizern auf Anklang. Stocker erhielt zahlreiche Zuschriften. Jemand schrieb: «Es sind sich alle einig, gegen Frivolitäten der südlichen Landplage mit dem Faustrecht zu begegnen. So setzen Sie zum Wohle Ihres Vaterlandes den Kampf gegen diese Untermenschen fort.»
Der Höhepunkt dieser fremdenfeindlichen Entwicklung war die sogenannte Schwarzenbach-Initiative im Jahr 1970, die eine Beschränkung des Ausländeranteils auf zehn Prozent der Gesamtbevölkerung verlangte. Wäre sie angenommen worden, hätten 300’000 Personen ausgewiesen werden müssen. Das Volksbegehren wurde aber abgelehnt.
Heute sind die Italienerinnen und Italiener integriert und akzeptiert. Man mag sie, ihre Sprache, ihre Kultur. Ihre Spaghetti.
Die zweite und erst recht die dritte Generation unterscheidet sich kaum von Schweizerinnen und Schweizern mit eidgenössischem Stammbaum. Viele sind eingebürgert. Umso mehr stossen sie sich daran, wenn man sie (wie Andi Trüssel) darauf hinweist, dass sie eben doch anders sind: «Einmal Tschingg, immer Tschingg!»