Schnarchen – harmlos oder ein Warnsignal für ernsthafte Atemstörungen?
Morgendliche Abgeschlagenheit, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit, Vergesslichkeit: Alle diese Symptome können die Folgen einer obstruktiven Schlafapnoe sein. Eine schlafmedizinische Abklärung bringt Sicherheit.
Ratgeber*
Im Schlaf regeneriert sich unser Körper, verarbeitet Erlebtes, stärkt das Immunsystem und macht uns fit für den nächsten Tag. Wird der Schlaf durch unregelmässiges Schnarchen mit Atempausen gestört, schwächt dies den Körper und führt langfristig zu gesundheitlichen Problemen. Die sogenannte obstruktive Schlafapnoe (OSA) beziehungsweise das Leitsymptom Schnarchen sind in der Schweiz weit verbreitet. Schätzungen zufolge sind bis zu 14 Prozent der Männer und 7 Prozent der Frauen von OSA betroffen. Sie ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die unbehandelt weitreichende gesundheitliche Folgen haben kann. Entsprechend entscheidend sind eine professionelle Abklärung und eine individuell angepasste Therapie.
Während das einfache Schnarchen für die Gesundheit in der Regel harmlos ist, geht die OSA mit wiederholten Atemwegsverengungen während des Schlafs einher. Diese verursachen teilweise oder vollständige Aussetzer der Atmung (Apnoen). Oft sind diese mit Weckreaktionen verbunden und bleiben meist unbemerkt. Nicht so die Auswirkungen: Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und eine deutlich reduzierte Lebensqualität. Zudem erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und Verkehrsunfälle.
Moderne Diagnostik
Eine Abklärung in der Klinik Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten des Kantonsspitals Baselland eröffnet heute zahlreiche wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Am Anfang steht immer das Gespräch, in welchem das Schlafverhalten, das Schnarchmuster und die Begleitsymptome erhoben werden. Anschliessend folgen technische Untersuchungen wie das nächtliche Messen des Sauerstoffgehalts im Blut und des Pulses.
Liegt der Verdacht auf eine OSA vor, folgt eine respiratorische Polygraphie. Damit gemeint ist das Aufzeichnen verschiedener Körperfunktionen während des Schlafs mithilfe von Sensoren. Für komplexe Fälle folgen weitere Untersuchungen im Schlaflabor. Diese ermöglichen die genaue Unterscheidung zwischen obstruktiven und anderen schlafmedizinischen Störungen und liefern wichtige Detailinformationen für die individuelle Therapieplanung. Zentral bei den Abklärungen ist auch, zu eruieren, wo genau das Schnarchen entsteht. Dafür kommt die Schlafvideoendoskopie zum Einsatz, welche Engstellen im oberen Atemweg sichtbar macht.
Individuelle Therapiemöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich immer nach dem Schweregrad und den individuellen Beschwerden. Bei einer mittelgradigen oder schweren Schlafapnoe ist die nächtliche CPAP-Therapie meist am wirksamsten, da sie die Atemwege offenhält und Atemaussetzer zuverlässig verhindert. Wenn diese Therapie nicht vertragen wird oder die Beschwerden leichter sind, gibt es verschiedene Alternativen. Dazu gehören spezielle Zahnschienen, die den Rachenraum erweitern, oder Hilfen, die verhindern, dass man im Schlaf auf dem Rücken liegt. Oft helfen auch einfache Massnahmen wie Gewichtsreduktion, weniger Alkohol am Abend oder gezieltes Training der Atemmuskulatur.
Liegen anatomische Gründe vor – zum Beispiel vergrösserte Mandeln oder eine starke Einengung im Nasen- oder Rachenraum –, können operative Eingriffe sinnvoll sein. Sie reichen von kleinen, schonenden Verfahren bis zu kombinierten Operationen an mehreren Stellen der oberen Atemwege. Eine moderne Option ist zudem die Stimulation des Zungennervs. Ein kleines Implantat sorgt dabei dafür, dass sich der Zungenmuskel im Schlaf rechtzeitig anspannt und die Atemwege offenbleiben. Diese Option ist besonders hilfreich, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich waren.
Da der Übergang zur Schlafapnoe oft unbemerkt verläuft und die Folgen ernst sein können, lohnt sich eine frühzeitige Abklärung. Dank moderner Untersuchungsmethoden und vielfältiger Therapieformen stehen heute sehr gute Möglichkeiten zur Verfügung, wieder erholsam und sicher zu schlafen.
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Das Kantonsspital Baselland (KSBL) bietet für die Bevölkerung der Nordwestschweiz an den Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen umfassende stationäre und ambulante medizinische Leistungen. Dazu gehören auch eine 24/7-Notfallversorgung und ein eigener Rettungsdienst. Das KSBL engagiert sich in der medizinischen Lehre und Forschung, arbeitet eng mit der Universität Basel und anderen Partnern zusammen und zählt zu den wichtigsten Ausbildungsbetrieben der Region.
*Dies ist ein Ratgeber im Auftrag des Kantonsspitals Baselland.
Kantonsspital Baselland Klinik Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten +41 61 400 27 40 [email protected] / ksbl.ch/schlafmedizin