Büchercheck

C.L. Miller: «Mord an Backbord»

Es ist, als hätte die Autorin alle Zutaten in einen Topf geworfen und dabei vergessen, was sie eigentlich kochen wollte.

Cover des Buchs "Mord an Backbord" von C. L. Miller
(Foto: ZVG)

Frau Miller schreibt Kriminalromane in England. Sie war kurzzeitig «in der Gastronomie tätig» (was auch immer das bedeuten möge), gründete dann eine Familie und hat jetzt ihren Kindheitstraum umgesetzt: Sie schreibt Bücher. Und sie setzt ihren Plot in eine Welt, aus der wahrhaftig noch nicht so viele Kriminalromane stammen: Die Welt der Antiquitäten!

Die Idee ist eigentlich cool. Man lernt bei der Lektüre des Buchs noch ein bisschen über alte Dinge, Bilder und die Art und Weise, wie man solche fälscht. 

«Mord an Backbord» habe ich – natürlich – gekauft, weil ich mein ganzes Berufsleben der Kreuzfahrt gewidmet habe. Deswegen hat mich das Cover (ein Hochseeschiff mit dem Namen «Kriminalroman») angezogen, und der Claim «Je tiefer das Meer, desto böser die Absichten!» hat sein Übriges dazu getan. Das muss ja dann eigentlich ein gutes Buch sein. Aber: Mein sonst recht zuverlässiges Gefühl dafür, ob ein Buch etwas Fleisch am Knochen hat oder nur ein Mainstream-Produkt ist, hat mich im Stich gelassen. Oder das Schiff auf dem Cover hat mich irritiert …

Das Buch ist rund 380 Seiten dick und handelt von zwei Frauen (einer jungen Privatdetektivin im Antiquitätengeschäft und ihrer Tante), die die Detektei ihres im vorigen Buch ermordeten Mentors übernommen haben. 

So sind also die ganzen Zutaten vorhanden: das englische Leben mit dem unvermeidlichen englischen Humor, eine Leiche und ein Diebstahl (natürlich im Museum), ein verschwundenes Gemälde, der Hinweis auf die Kreuzfahrt, der Aufenthalt auf dem Schiff, viele Antiquitäten und noch eine illoyale Assistentin, die dann zum grossen Showdown führt. Dazu noch ein bisschen Erotik beziehungsweise Emotionen. 

Wie ein Fotoalbum

Leider hinterlässt das Buch bei mir den Eindruck, als habe die Autorin all diese Zutaten in den Topf geworfen und vergessen, was sie eigentlich kochen wollte. Man kann das Buch lesen, aber irgendwie passt es nicht zusammen. Die Detektivin könnte auch ein Mann sein, die Tante braucht es nicht, die Kreuzfahrt könnte auch ein Wellnesshotel sein und die illoyale Assistentin … Naja, die bringt wenigstens am Schluss etwas Action. 

Das Leseerlebnis bei mir war wie ein Fotoalbum: viele schöne Bilder, aber keine grosse Geschichte dahinter. Wenn ich nicht einen grossen Respekt davor hätte, würde ich mir hier überlegen, das Adjektiv «langweilig» zu bemühen. 

Ich mag es der jungen Autorin gönnen, wenn sie ihren Kindheitstraum weiterverfolgen kann. Sie hat mit ihrem Erstling «Der falsche Vogel» diese Krimireihe um Freya, die Kunstdetektivin, begonnen und wird sicherlich eine Fangemeinde dafür finden. Gemäss Klappentext haben sich die Verlage ja eine «Bieterschlacht» für das Manuskript geliefert. Das heisst wohl, hier wurde profitabler Mainstream geschrieben.

Leseempfehlung: Wenn Sie Mainstream mögen, dann bitte sehr!

Diese Buchbesprechung entstand in einer Kooperation mit der von Daniel Thiriet betriebenen Website buechercheck.com.

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