Glosse

Was wohl Bob Dylan dazu sagen würde?

Es war noch nie die Art des weltberühmten Liedermachers, alles zu kommentieren – im Gegensatz zu Christoph Blocher.

Joan Baez und Bob Dylan
Joan Baez und Bob Dylan auf dem Civil Rights March nach Washington D.C. am 28. August 1963. (Foto: Rowland Scherman)

Hank Shizzoe (59) ist ein Schweizer Gitarrist und ein begnadeter Blues- und Folk-Musiker dazu. Und er ist ein eingefleischter, in der Wolle gefärbter Fan von Bob Dylan. Derzeit ist Hank vor allem mit dem Berner Liedermacher Tinu Heiniger unterwegs. Und kürzlich erzählte er bei einem Auftritt, seine Frau habe ihn gefragt, was er eigentlich mache, wenn Bob Dylan – immerhin bald 85 Jahre alt – dereinst sterbe. Er habe darauf keine Antwort gewusst.

Bob Dylan hätte sie ihm wohl auch nicht geben können; denn viel war vom vielleicht grössten Liedermacher der letzten 100 Jahre in jüngster Zeit an Verlautbarungen nicht zu hören. Was nicht weiter erstaunlich ist, denn schliesslich hat der Meister in Hunderten von Songs und Songtexten – für die er im Übrigen 2016 den Literaturnobelpreis erhalten hat – wohl alles gesagt, was er zu sagen hatte.

Dabei hätte uns schon noch interessiert, was der in Hibbing, eine Kleinstadt im Staate Minnesota, aufgewachsene Dylan zum fragwürdigen Einsatz der amerikanischen Einwanderungsbehörde unweit seiner Heimatstadt in Minneapolis, bei dem eine 37-jährige Mutter getötet wurde, meinen würde.

Doch es war noch nie Dylans Sache, alles zu kommentieren. 

Nicht so ein anderes Vorbild für zahlreiche Menschen hierzulande. Christoph Blocher. Noch ein Jahr älter als Bob Dylan, hat der SVP-Übervater immer noch zu fast allem und jedem eine Meinung. Und gewisse Medien nehmen sie auch immer noch dankbar zur Verbreitung auf. So wertete er dieser Tage die Tragödie von Crans-Montana als Hinweis auf eine «Verlotterung der Zustände». Er schäme sich, so Blocher in der Sendung Weltwoche Daily, «dass so etwas in unserem Land möglich ist». Und er verordnet der Schweiz «Bescheidenheit».

Hank Shizzoe und Tinu Heiniger
Bob-Dylan-Fan Hank Shizzoe (links) und der Berner Liedermacher Tinu Heiniger. (© Foto: Thomas Gubler)

Ob es nach allem, das im Nachgang zu den Unterwalliser Ereignissen in der Silvesternacht gesagt und geschrieben wurde, tatsächlich auch noch den Ratschlag aus Herrliberg gebraucht hat, lassen wir hier offen. Es ist zu vermuten, dass Blocher, so man ihn gefragt hätte, auch etwas zum tragischen Vorkommnis von Minneapolis zu sagen gewusst hätte.

Blocher-Fans haben es eben ein bisschen einfacher als Dylan-Fans wie Hank Shizzoe.

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