Kolumne: «Aus meiner Bubble»

«Landfrauenküche» und Co.: Flucht in die SRF-Mediathek

Der Kolumnist hat eine Pause von der Realität eingelegt und viel Zeit vor dem Bildschirm verbracht.

19. Staffel «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche»
Max Kaufmann hat eine ganze Staffel «Landfrauenküche» geschaut. (© Foto: SRF)

Zwischen den Jahren ist endlich Zeit, um herunterzufahren. Wegen des Drucks, sich jetzt auch ja gut zu erholen, bevor Anfang Januar alles wieder steil losgeht, fällt es mir aber oft schwer, mich zu entspannen. Der Klumpen im Bauch, der sich durch den Raclette-Marathon über die Festtage gebildet hat, hilft dabei auch nicht. Und mit einem Silvesterkater ist die Erholung sowieso wieder zunichtegemacht.

Diesmal half mir jedoch ein Eskapismus der ungewohnten Art bei der Entspannung. Auf Play SRF, der On-Demand-Plattform des Schweizer Fernsehens, wühlte ich mich durch die verschiedensten Formate. Nach dem Motto: je oberflächlicher und trashiger, desto besser.

Eine ganze Staffel «Landfrauenküche», einige Folgen «Auf und davon» und zum Schluss noch die Doku-Serie über ein Gstaader Luxushotel – alles zog ich mir rein. Neben der sehr willkommenen beiläufigen Berieselung auf dem Sofa fand ich es auch soziologisch spannend, in das Leben der Teilnehmenden hineinzuschauen. Zugegebenermassen war auch ein wenig Voyeurismus dabei.

Die SRF-Mediathek, das ist wie Netflix für Bünzli.

Die SRF-Mediathek, das ist wie Netflix für Bünzli. Wobei auch unter Bünzli erschreckend viele das Angebot des  öffentlich-rechtlichen Unternehmens zusammenkürzen wollen. Meine aktuelle Freude, mich von diesen Sendungen berieseln zu lassen, täuscht nicht darüber hinweg, wie viele ernsthafte, wichtige Formate bereits weggespart wurden.

Nun hoffte ich jedoch, dass der Hackbraten in der Landfrauenküche beim Anschneiden nicht auseinanderbricht, empörte mich über pervers reiche Hotelgäste, die ihren Hündchen Rindsfilet verfüttern, und zuckte bei Aussagen von Schweizer Auswanderern über angeblich fehlende Arbeitsmoral und Pünktlichkeit im neuen Land unangenehm berührt zusammen.

Das alles zog mich mehr in den Bann als erwartet. Bei Freund*innen von mir kann ich manchmal nicht nachvollziehen, wie sie ganze Staffeln von deutschen Reality-TV-Shows durchsuchten und immer über den neusten Gossip Bescheid wissen. Wenn sie dann darüber diskutieren, wer jetzt was gesagt und gepostet hat, dauert es manchmal, bis ich merke, dass sie von Reality-Stars und nicht unseren Bekannten sprechen. Jetzt droht mir das Gleiche mit «Auf und davon» und Co. Ob das besser ist?

Zum Jahresbeginn endete jedenfalls meine Auszeit von der Realität, vom Alltag. Das Raclette war verdaut, fertig Eskapismus, bevor dieser noch in Ignoranz umschlägt. Ich ertappte mich auch zunehmend dabei, wie ich parallel zum Fernsehen auf dem Smartphone herumdrückte. Immer wieder wird diskutiert, dass Streamingdienste Serien inzwischen gezielt mit offensichtlichen Erzählungen und Handlungsankündigungen der Protagonist*innen produzieren, damit man zugleich am Smartphone hängen kann. 

Ob das auch auf die besagten SRF-Sendungen zutrifft, ist mir unbekannt. Trotzdem lege ich gerade eine Pause ein, zumindest bis die neue Staffel «Auf und davon» erscheint.

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