Wechsel auf strategische Ebene

Balz Stückelberger tritt aus dem Landrat zurück

Der Arlesheimer Politiker wird Vizepräsident der Baselbieter FDP – und bringt sich in Stellung für die nationalen Wahlen 2027.

Balz Stückelberger, FDP Baselland
Plant seine politische Karriere: Balz Stückelberger. (© Foto: Alessandra Paone)

Alter, Amtszeit-Guillotine, Karriere, Familie oder ganz einfach Langeweile. Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Politikerinnen und Politiker von ihren Ämtern zurücktreten. Bei Balz Stückelberger spielt die Amtszeitbeschränkung sicher eine Rolle; er gehört dem Landrat seit 15 Jahren an. Es dürften aber vor allem strategische Überlegungen gewesen sein, die den freisinnigen Landrat aus Arlesheim dazu bewogen haben, per Ende Februar vorzeitig aus dem Kantonsparlament auszuscheiden.

Stückelberger gibt so seinem Nachfolger Hannes Felchlin aus Arlesheim die Gelegenheit, sich bis zu den kantonalen Gesamterneuerungswahlen im Frühling 2027 einzuarbeiten und zu positionieren. Bisherige haben in der Regel bessere Chancen als Neulinge, gewählt zu werden.

Auch hat der 53-jährige Stückelberger andere politische Pläne: Er soll Vizepräsident der Baselbieter FDP werden. Der bisherige Vizepräsident, Landrat Sven Inäbnit, hat sein Amt per Ende 2025 niedergelegt, wie die Kantonalpartei am Dienstag mitteilt.

Taktisch geschickter Zug

Es ist ein taktisch geschickter Zug von Parteipräsident Melchior Buchs, Stückelberger in sein Team zu holen – sofern er dann am Parteitag vom 29. Januar auch gewählt wird. Der Geschäftsführer des Verbands Arbeitgeber Banken und Präsident der FDP Arlesheim ist im Kanton und darüber hinaus gut vernetzt. Zudem war er massgeblich daran beteiligt, dass der Baselbieter Freisinn im vergangenen Herbst mit Markus Eigenmann den Sitz von Monica Gschwind in der Kantonsregierung verteidigen konnte. Stückelberger hat den früheren Gemeindepräsidenten von Arlesheim im Hintergrund gecoacht; er war Teil des Wahlkampf-Teams, das FDP-Chef Buchs nach der Wahl in den höchsten Tönen für seine «hervorragende» Arbeit lobte.

Gelingt es Stückelberger, den Schwung aus der erfolgreichen Regierungs-Ersatzwahl mitzunehmen, könnte dies das Selbstbewusstsein der FDP weiter stärken und die Position der Partei innerhalb des bürgerlichen Spektrums stärken. Insbesondere, wenn es im Herbst 2027 darum geht, eine bürgerliche Ständeratskandidatur zu bestimmen, die es gegen die designierte SP-Kandidatin, Nationalrätin Samira Marti, aufnimmt. Vorausgesetzt, dass die amtierende Maya Graf von den Grünen nicht mehr zur Wahl antritt. 

Antwort auf Pascal Ryf

Stückelbergers Ständeratsambitionen sind bekannt. Der scheidende Landrat kandidierte bereits 2015 parteiintern für das Amt, verlor dann aber hauchdünn gegen den Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, Christoph Buser. Dieser wiederum hatte gegen den damals amtierenden SP-Ständerat Claude Janiak keine Chance.

Auf Anfrage hält sich Stückelberger jedoch bedeckt. Das oberste Ziel müsse sein, den Ständeratssitz wieder zurück ins bürgerliche Lager zu holen. Alles andere werde zu gegebener Zeit entschieden.

Stückelbergers Zurückhaltung könnte auch als Antwort auf Pascal Ryf verstanden werden. Der Oberwiler Mitte-Landrat hat schon sehr früh sein Interesse für den Ständerat kundgetan, was nicht nur positive Reaktionen auslöste. 

Als Vizepräsident der FDP bleibt Stückelberger trotz Rücktritt aus dem Landrat nahe beim politischen Betrieb. Als Mitglied der Parteileitung kann er Einfluss auf strategische Entscheide nehmen – parteiintern und innerhalb der bürgerlichen Zusammenarbeit.

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