Rassismus, Sexismus, Genozid
Plakate mit unbekannter Urheberschaft klagen an – die Botschaften sind heftig. Sie hängen mitten in Basel.
Der Kampf um die Deutungshoheit hat die Basler Litfasssäulen erreicht. Ein OnlineReports-Leser hat äusserst ungewöhnliche Plakate entdeckt. Darauf werden abwechslungsweise die Polizei, Weltwoche-Verleger und Alt-SVP-Nationalrat Roger Köppel sowie Israel und die Palästinenser angeklagt.
Zu den Fotos einer Säule beim Hebelplatz schreibt der Leser: «Die drei Plakate wurden nicht professionell und faltenfrei aufgeklebt. Sie hingen auch am Voltaplatz, bei der neuen Grüninsel mit Insektenfalle bei der Voltamatte.»
Urheber der inoffiziellen Plakate ist eine Person oder eine Gruppierung, die mit «seireif» unterschreibt. Die Bezeichnung ist kaum jemandem zuzuordnen.
«Grüsel»
Der Polizei wird Rassismus vorgeworfen. «Auch wir treffen ins Schwarze. Mit unserem täglich praktizierten Racial Profiling», ist auf einem der Plakate zu lesen. Es zeigt eine Polizistin und einen Polizisten von hinten am Kleinbasler Rheinufer. «Ein Scheissjob wie kein anderer», lautet das Urteil, «niemand muss Polizist*in werden. Stop Racial Profiling!» Ein QR-Code führt auf die Website der Allianz gegen Racial Profiling. Aber damit ist die Urheberschaft noch nicht geklärt. «Ich kann nicht sagen, woher das kommt», heisst es auf Anfrage.
Die Basler Polizei nimmt dazu nicht Stellung. Mediensprecher Stefan Schmitt schreibt lediglich: «Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir dazu keinen Kommentar abgeben.»
Ein weiteres Plakat zeigt «Roger K.». Beschrieben wird Roger Köppel so: 60, Politiker, Journalist, Publizist und Sexist. Letzteres fettgedruckt. «Grüsel-Roger» wird auf dem Plakat zitiert mit einem Social-Media-Post von 2022. Zur Debatte über eine Reform des Sexualstrafrechts und darüber, was als Vergewaltigung gelten soll, steuerte der frühere SVP-Nationalrat damals bei: «Jede grosse Liebe beginnt mit einem Nein der Frau.»
Diese Aussage führt zur Forderung von «seireif»: «Respekt statt Gewalt! Gemeinsam gegen Rape Culture (Vergewaltigungskultur, Anm. d. Red.) und Sexismus.» Roger Köppel reagiert nicht auf eine Anfrage von OnlineReports.
Zwischen den Plakaten, die die Polizei und Roger Köppel kritisieren, stiess der OnlineReports-Leser auch auf eines, das den Gaza-Konflikt aufgreift. «Stop the genocide», ist in grossen Lettern zu lesen; stoppt den Völkermord.
Eine nicht identifizierbare Person oder Gruppierung hatte bereits einen englischen Text darüber geklebt: «Die palästinensischen Schulbücher, die in Gaza verwendet werden, sind keine Instrumente der Bildung, sondern der Indoktrination. Sie verherrlichen Terrorismus, schüren Hass und löschen Israel von den Landkarten, wodurch Gewalt und Antisemitismus zum Kern des Unterrichts werden.»
Sporadischer Vandalismus
Wirklich viel will auch die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) nicht zu den Pseudo-Plakaten sagen. Die Medienstelle bedankt sich für den Hinweis und kündigt an, die Plakate würden «baldmöglichst eingedeckt».
Die APG gibt immerhin bekannt: «Leider kommt diese Form von ‹Vandalismus› sporadisch vor.» Urheber «seireif» sei ihr nicht bekannt. Aber: «Sollten wir konkrete Anhaltspunkte über die Täter-/Urheberschaft haben, machen wir bei der Polizei eine Anzeige.»