«Ich muss herausfinden, ob mein langjähriger Berufswunsch den Reality-Check übersteht»
Aurelio Gaggiotti wird die kommenden fünf Wochen auf der Redaktion von OnlineReports verbringen.
In aller Kürze: Wer bist du?
Ich bin Aurelio Gaggiotti, wohne in Riehen und studiere Geschichte und Politikwissenschaften an der Uni Basel. In meiner Freizeit spiele ich Unihockey, gehe gerne ins (zum Glück sehr erschwingliche!) Uni-Fitness und lese oft und viel. Generell interessiere ich mich sehr für das aktuelle Weltgeschehen und mag es, mich in die historischen Hintergründe zu vertiefen.
Die Medienbranche steckt seit Längerem in der Krise; viele Journalistinnen und Journalisten wenden sich von ihrem Beruf ab. Warum hast du dich trotzdem für ein journalistisches Praktikum entschieden?
Journalist zu werden, ist für mich seit Langem ein Berufswunsch. Ich schreibe sehr gerne und lese viele Geschichten, ob erfundene oder, wie in meinem Geschichtsstudium, solche, die sich tatsächlich ereignet haben. Journalismus bedeutet für mich, die Geschichten der Gegenwart zu erzählen. Es stimmt aber, dass die Stimmung in der Medienbranche seit einigen Jahren nicht gerade motivierend auf angehende Journalisten wirkt. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich es endlich selbst ausprobieren und für mich herausfinden muss, ob mein langjähriger Berufswunsch den Reality-Check übersteht. Dann ist klar: Wenn mir der Journalismus sogar in dieser kritischen Phase zusagt, ist es definitiv das Richtige.
Warum hast du dich bei OnlineReports beworben?
Auf OnlineReports wurde ich durch Bekannte aufmerksam, die mir das Medium empfohlen haben, weil es für qualitativen Journalismus in der Region steht. Als politisch interessierter Mensch entspricht mir der inhaltliche Schwerpunkt der Artikel sehr. Auch gefällt mir, dass OnlineReports im Gegensatz zu den regionalen Tageszeitungen weniger schnelllebige News produziert, sondern längere Artikel mit etwas mehr Tiefe und Raum für kritische Einordnung. Für mich als Anfänger ist es eine fantastische Erfahrung, das Büro mit zwei langjährigen Journalisten wie Jan und Alessandra zu teilen.
Wie informierst du dich?
Ehrlich gesagt habe ich News wie viele in meinem Alter lange eher passiv konsumiert – auf Instagram, beim Scrollen auf der SRF-App oder hie und da in der Tagesschau. Seit ich aber im vergangenen Herbst beschlossen habe, ein journalistisches Praktikum zu absolvieren, habe ich die BaZ und die bz abonniert. Ich informiere mich allgemein wieder aktiver und lasse mich weniger berieseln.
Welchen Stellenwert haben klassische Informationsmedien wie Tageszeitungen und Newsportale für dich?
Sie sind für mich trotz Medienkrise nach wie vor enorm wichtig. Es ist verlockend, seine News von Social Media zu beziehen und zu denken, dass diese so schon stimmen werden. In der Zeit von Fake-News und tendenziösen Algorithmen ist jedoch das Qualitätssiegel von herkömmlichen Informationsmedien umso wertvoller – auch wenn die Lektüre mit etwas mehr Aufwand verbunden ist.
Du hast bereits ein Praktikum bei 20 Minuten absolviert. Welche Erfahrungen hast du dort gemacht?
Bei 20 Minuten wurde ich vom ersten Tag an ins kalte Wasser geworfen – das habe ich sehr geschätzt. Obwohl das Praktikum nur zwei Wochen gedauert hat, konnte ich bei vielem mitwirken: Ich habe Artikel geschrieben, Interviews geführt und Videobeiträge produziert. Und vor allem habe ich erfahren, wie abwechslungsreich Journalismus sein kann.
Was erwartest du von deinem Praktikum bei OnlineReports?
Viele neue Erfahrungen und vielleicht auch einen etwas realistischeren Einblick in den Journalismus, als ich ihn während der zwei Wochen bei 20 Minuten erhalten habe. Ich freue mich enorm darauf, von Alessandra und Jan zu lernen und mit der Zeit auch selbstständig an Geschichten zu arbeiten. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man durch die vielen neuen Eindrücke die eigene Region mit etwas anderen Augen sieht.
Hast du schon Pläne für die Zeit nach deinem Studium?
Das Wort «Pläne» ist wohl etwas zu hoch gegriffen für meine Ideen, die ich für die Zeit nach der Uni habe. Gemäss dem Studenten-Klischee würde ich gerne für längere Zeit verreisen, finanziert durch mögliche Arbeitseinsätze im Ausland. Beruflich könnte ich mir längerfristig vorstellen, als Journalist zu arbeiten. Ich hoffe, dass mich die nächsten Wochen in meinem Vorhaben bestätigen.
Aurelio Gaggiotti ist der erste Stagiaire unter der neuen OnlineReports-Führung. Das fünfwöchige Praktikum wird durch den im Frühjahr 2025 gegründeten Verein der Freunde von OnlineReports ermöglicht. Im Jahr 2024 haben die beiden Schüler David Häfelfinger und Jonas Glatz je ein mehrtägiges Schnupperpraktikum absolviert. Zudem verbrachten Jara Irman 2023 und Neva Dürrenberger 2025 den Zukunftstag auf der Redaktion von OnlineReports.
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