Philipp Schoch: «Ich will und ich bin bereit»
Der frühere Grünen-Präsident und Alt-Landrat ergreift die Chance und bringt sich noch am Tag der Rücktrittsankündigung seines Parteikollegen in Stellung.
Er hat im Jahr 2011 als junger Parteipräsident die Baselbieter Grünen mit Isaac Reber erstmals in die Regierung geführt. Nun will Philipp Schoch 15 Jahre später Rebers Nachfolge antreten. «Ich will und ich bin bereit», sagt er zu OnlineReports.
Der 52-Jährige weiss erst seit einigen Tagen, dass Reber Ende September als Vorsteher der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) zurücktreten wird. Für ihn sei aber bald klar gewesen, dass er sich als Kandidat für die Ersatzwahl vom 14. Juni zur Verfügung stellen wird. Die politische Karriere könne man nicht richtig planen. «Entweder der Zeitpunkt stimmt oder nicht. Und für mich stimmt er jetzt.» Das sei bei der Gesamterneuerungswahl 2023 noch anders gewesen. Damals hatten die Grünen zuerst angekündigt, mit einer Zweier-Kandidatur anzutreten (Reber-Schoch), sind dann aber im letzten Moment zurückgekrebst. Auch in der Ersatzwahl für Monica Gschwind sah er nicht die richtige Gelegenheit.
Nun ist es Schoch aber ernst. Der Pflegeleiter des Notfallzentrums am Kantonsspital Baselland hat bereits seine rund 100 Mitarbeitenden und das Führungsteam über seine Absicht informiert. In der Partei sind die Schlüsselfiguren ebenfalls auf dem Laufenden. Die Kampagne sei bereits aufgegleist, und von seinem Ehemann hat er ebenfalls das Okay erhalten. Dieser habe gesagt: «Es ist dein Lebenstraum – also los!».
Doch zuerst muss Schoch parteiintern nominiert werden. Die Baselbieter Grünen entscheiden voraussichtlich am 5. März. Wer sich ausser Schoch sonst noch zur Wahl stellen will, ist offen.
Brenzikofer derzeit anders ausgerichtet
Florence Brenzikofer hat sich bis jetzt nicht zum Thema geäussert. Sie wolle sich noch Zeit lassen und werde nach dem Wochenende kommunizieren. Die Nationalrätin hatte ihr Interesse bereits bei der Ersatzwahl für die freisinnige Bildungsdirektorin Monica Gschwind kundgetan. Die Grünen verzichteten dann aber auf eine eigene Kandidatur – wohl auch im Bewusstsein, dass sie keinen Anspruch auf einen zweiten Regierungssitz stellen können und daher auch kaum eine Chance gehabt hätten. Stattdessen unterstützten sie, zumindest offiziell, zusammen mit der SP die grünliberale Kandidatin Sabine Bucher.
In der Zwischenzeit hat sich für Brenzikofer aber einiges geändert. Die 50-Jährige ist seit Anfang Jahr Präsidentin des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW). Diese Aufgabe, die ihr sehr am Herzen zu liegen scheint, müsste sie im Fall einer Wahl wieder abgeben. Ihr Ansehen als verlässliche Partnerin könnte dadurch Schaden nehmen. Ausserdem ist immer wieder zu hören, dass Brenzikofer auch als Nachfolgerin von Maya Graf im Ständerat infrage kommen könnte.
Neben der Nationalrätin werden auch die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Sulzer oder die Landräte Gzim Hasanaj, Simon Tschendlik und ihr Fraktionspräsident Stephan Ackermann genannt.
Schoch kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen, ob sich bei den Grünen noch weitere Kandidatinnen und Kandidaten melden werden. Das Rennen sei offen. Zur Frauenfrage sagt er: «Das ist immer ein Thema. Auch weil die Frauen bei den Grünen immer gut gewählt werden.» Aber mit Maya Graf als Ständerätin und Florence Brenzikofer als Nationalrätin seien zwei wichtige Positionen bereits von Frauen belegt. «So gesehen wäre ein Mann in der Regierung verträglich.»
«Dass ich nicht jeden zweiten Tag mit Landrätinnen und Landräten verbringe, heisst nicht, dass ich nicht in den Themen drin bin.»
Philipp SchochAus Politkreisen heisst es, Schoch sei bereits zu lange von der kantonalen Politik weg. Tatsächlich gehört er seit 2018 nicht mehr dem Landrat an. «Dass ich nicht jeden zweiten Tag mit Landrätinnen und Landräten verbringe, heisst nicht, dass ich nicht in den Themen drin bin», sagt er. Als Präsident des Vereins Wald beider Basel, Gemeinderat von Pratteln und durch seine Tätigkeit am KSBL habe er eine Übersicht über die aktuellen Herausforderungen des Kantons. Für die Wählerinnen und Wähler seien vor allem die Erfahrung und die Kompetenzen der Kandidierenden wichtig. «Und die bringe ich mit.»
Unabhängig davon, für wen sich die Grünen entscheiden, wird es für sie nicht einfach sein, den Sitz von Isaac Reber zu verteidigen. Die SVP hat bereits angekündigt, dass sie antreten wird. Einmal mehr wird entscheidend sein, auf welche Seite sich die politische Mitte schlagen wird. Für Schoch ist klar, dass die Grünen die Unterstützung von SP, GLP und der Mitte benötigen, um es zu schaffen.
Schoch war im Landrat Präsident der Umweltschutz- und Energiekommssion. Die frei werdende Bau- und Umweltschutzdirektion würde daher passen. Er möchte sich aber nicht festlegen. «Ich glaube, in jeder Direktion etwas bewirken zu können.»
Als Regierungsrat möchte sich Schoch Themen wie dem CO2-Austoss («Da ist noch viel zu tun.») oder der Biodiversität («Wir sind zwar ein Landwirtschaftskanton – von Biodiversität ist aber kaum etwas zu merken.») annehmen. Auch will der einstige Fusions-Turbo die Zusammenarbeit mit Basel-Stadt «entkrampfter» als bisher angehen. «Die Baselland-first-Strategie funktioniert für mich nicht.» Man müsse mit Basel-Stadt verhandeln – vor allem im Gesundheitswesen.
Schochs Postionen dürften im Wahlkampf zu reden geben.
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